Karin Jung
verlässt das Amt für Wirtschaft und Arbeit nach sieben Jahren.
Vor Weihnachten lud die Buuremusig Gossau zum Adventskonzert in die Andreaskirche. z.V.g.
Die Stadtmusik Gossau hat in den letzten sieben Jahren rund zwei Drittel der Mitglieder verloren. Die Musikanten der Buuremusig Gossau weisen ein Durchschnittsalter von 65 Jahren auf. Nun haben sich die beiden Vereine zusammengeschlossen.
Musik «Unsere Absicht war, dass wir den Verein nicht auflösen müssen und sich keines unserer Mitglieder zum Aufhören gezwungen sieht», erklärt Beat Bienz, der die Stadtmusik zuletzt präsidierte. Diese Ziele habe man mit dem Zusammenschluss erreicht. Mit zuletzt 17 Mitgliedern sei die Stadtmusik nicht mehr spielfähig gewesen. Bienz erinnert daran, dass die Stadtmusik vor sieben Jahren noch rund 50 Mitglieder hatte: «Viele Musikerinnen und Musiker waren allerdings schon sehr lange dabei und hatten nach mehreren Jahrzehnten verständlicherweise irgendwann genug». Als er vor dreieinhalb Jahren das Präsidium übernommen habe, hätten sie mit verschiedenen Aktionen versucht, Neumitglieder zu gewinnen – unter anderem mit der Plakataktion «Dä Stadtmusig Gossau goht de Schnuuf us». Man habe auch tatsächlich vereinzelt Neumitglieder gewinnen können, doch die Abwärtsspirale sei nicht mehr aufzuhalten gewesen. Von den zuletzt noch verbleibenden Mitgliedern hätten mehrere aus Loyalität zur Stadtmusik teils lange Anfahrtswege auf sich genommen. Diese würden nun in ihren Wohngegenden weiter musizieren und somit nicht zur Buuremusig wechseln. Dies gilt unter anderem auch für Bienz selbst, der in Weiningen bei Frauenfeld lebt. Von den 17 Mitgliedern machen gemäss Bienz 15 weiter.
Zur Buuremusig stossen allerdings nur sechs neue Musikantinnen und Musikanten. Dies liegt neben den geografischen Gegebenheiten auch daran, dass in der Böhmischen Blasmusik, welche die Buuremusig spielt, keine Saxophone vorgesehen sind. Doch Rolf Eberle, Präsident der Buuremusig Gossau, freut sich über die neuen Mitglieder: «Mit den sechs Zugängen verjüngen wir uns deutlich. Und meine Hoffnung ist, dass dank diesen Jungen zukünftig weitere dazustossen».
Bei einem Durchschnittsalter von 65 Jahren hätte der Buuremusig ohne den Zusammenschluss bald dasselbe Schicksal gedroht wie der Stadtmusik, ist Eberle überzeugt. «Als ich im letzten Frühjahr das Präsidium übernommen habe, war für mich klar, dass wir das Nachwuchsproblem angehen müssen. Sonst wären wir in fünf Jahren auch nicht mehr spielfähig», erzählt Eberle, der früher selbst Mitglied der Bürgermusik Gossau war. Eine Buuremusig benötigt 18 Personen für eine Vollbesetzung. «Nun sind wir mit rund 25 Mitgliedern eher gross, aber das schadet überhaupt nicht», stellt Eberle fest.
Zur Tatsache, dass der fusionierte Verein den Namen der lange deutlich kleineren Buuremusig, die 1991 aus der Stadtmusik hervorging, und nicht jenen der 1872 als Bürgermusik Gossau gegründeten Formation trägt, sagt Eberle: «Bei einem Namenswechsel hätten wir bei uns kein einstimmiges Ja zur Fusion erreicht. Aber wer weiss, was die Zukunft bringt.» Die Gesellschaft und die Gewohnheiten veränderten sich ohnehin. An ihrer musikalischen Ausrichtung auf volkstümliche, böhmische Blasmusik werde die Buuremusig aber nichts ändern. Doch repräsentative Aufgaben übernehme man gerne. Marschieren werde die Buuremusig allerdings nicht – «dazu sind wir schlicht zu alt». Ein Problem für die Empfänge sieht der Präsident deshalb nicht: Er verweist erneut auf sich verändernde Gewohnheiten, erklärt aber auch, er freue sich auf die zusätzlichen Auftritte.
Beim letzten städtischen Empfang sorgte die Musikgesellschaft Andwil-Arnegg für die musikalische Umrahmung. Auch solche gemeindeübergreifenden Kooperationen befürwortet Eberle. «Viele unserer Mitglieder spielen auch in anderen Formationen. Wir haben alle das gleiche Hobby und sollten ohne Probleme zusammenarbeiten», erklärt Eberle. Konkurrenzdenken wie es bei musikalischen Wettbewerben üblich ist, sei ihm fremd. Im Gegenteil – «es ist mein Ziel, in Zukunft die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Vereinen zu fördern», stellt er fest.
Von Tobias Baumann
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