Brigitte Hollenstein erhält von Stadtpräsident Wolfgang Giella die Urkunde für den Gossauer Preis. tb
31.08.2025 00:00
Standing Ovations für die Preisträgerin
Brigitte Hollenstein-Gemperle mit dem Gossauer Preis ausgezeichnet
Die Stadt Gossau und die Preisstifterin acrevis Bank würdigten mit dem Preis Brigitte Hollenstein für ihr jahrzehntelanges Engagement zur Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und zur Unterstützung von Familien. Die Laudatio hielten die ehemalige Regierungsrätin Kathrin Hilber und der langjährige Gossauer Schul-präsident Urs Blaser.
Fürstenlandsaal «Endlich trifft es einmal die Richtige. Die Auszeichnung ist so verdient»: Dies seien ihre persönlichen Gedanken gewesen, als sie von der Ehrung für Brigitte Hollenstein erfahren habe, erzählte Mona Vetsch, die durch die Preisverleihung führte. Sie sei überzeugt, viele andere im Saal hätten genauso empfunden. Die aus dem TV bekannte Moderatorin hat in den vergangenen Jahren verschiedene von Brigitte Hollenstein organisierte Elternbildungsveranstaltungen moderiert. Brigitte habe im Vorfeld des Anlasses zu ihr gesagt, sie wisse nicht, ob sie den Abend überlebe. «Brigitte, dir bleibt keine andere Wahl», sagte Vetsch und hatte die Lacher auf ihrer Seite. Ernsthaft hob sie die vielen Spuren hervor, die Hollensteins Wirken hinterlassen und so die Gemeinschaft gestärkt haben. «Und Gemeinschaft ist etwas vom Wichtigsten in unserer Gesellschaft», so Vetsch, die überdies die Verleihung eines Preises für besondere Verdienste an der Gemeinschaft als richtig gute Idee lobte.
Für ein paar Sekunden sprachlos
Dass tatsächlich viele Personen im Saal die Auszeichnung von Brigitte Hollenstein als äusserst verdient empfanden, zeigte sich bei der Preisübergabe. Nachdem Stadtpräsident Wolfgang Giella die Urkunde für den Gossauer Preis übergeben hatte, erhob sich das Publikum spontan zu Standing Ovations für die Preisträgerin. Anschliessend war es an Dominik Eisenegger, Leiter Marktgebiet Gossau bei der Preisstifterin acrevis Bank, Hollenstein den Check über 5'000 Franken zu übergeben. Er habe Brigitte im Frühjahr ohne plausiblen Grund in die acrevis gebeten. «Und als ich ihr mitteilte, dass sie den Gossauer Preis erhält, war sie für ein paar Sekunden sprachlos. Aber es waren nur wenige Sekunden», erzählte Eisenegger und erntete viele Lacher. Danach habe Brigitte wie gewohnt sofort Ideen geäussert, wie denn die Feier ablaufen könnte. Wolfgang Giella hob in seiner Ansprache das grosse Engagement und die klaren Vorstellungen der Preisträgerin hervor. Sie habe unter anderem die Geschichten von vielen Gossauer Frauen ins Licht gestellt. «Und dieses Licht leuchtet heute auf dich», so Giella.
Die Ideen gehen nicht aus
Dass ihr die Ideen noch lange nicht ausgehen, bestätigte Hollenstein in ihrer Dankesrede gleich selbst. «Es ist ein Versprechen oder für manche vielleicht eine Drohung: ich werde mit weiteren Ideen kommen, denn ‘I like Gossau’», schloss die 20. Trägerin des Gossauer Preises, nachdem sie allen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern und insbesondere ihrer Familie gedankt hatte. Sie sei echt überrascht gewesen, als sie von Dominik informiert worden sei. «Ich dachte nach dem Anruf, vielleicht können wir Frauenspuren in der Schalterhalle der acrevis ausstellen», erzählte Hollenstein. Die wertschätzenden Worte zu hören, bedeute ihr viel. Sie erinnerte an die Gründung des Frauennetzes: «Am Anfang wurden wir teilweise als Emanzen von Gossau kritisiert.» Doch seien in den 25 Jahren seit der Gründung viele enge Beziehungen entstanden. Auch ihren Vorstandskolleginnen von Frauenspur Gossau und den vielen Spurensucherinnen dankte Hollenstein: «Wir konnten gemeinsam langfristig wirkende Projekte auf den Weg bringen.»
Mit Klarheit, Herz und Empathie
Die von Hollenstein angesprochenen wertschätzenden Worte hatten neben Stadtpräsident Wolfgang Giella und Moderatorin Mona Vetsch insbesondere die Laudatoren Kathrin Hilber und Urs Blaser überbracht. Die ehemalige Regierungsrätin begleitete als «Gotte» das Projekt Frauennetz. «Nach einer Charmeoffensive von Brigitte habe ich spontan zugesagt, ohne genau zu wissen, was auf mich zukommt», erzählte Hilber. In den Äusserungen von allen Protagonisten wurde deutlich: Wenn Brigitte Hollenstein anfragt, ist es schwierig bis unmöglich, Nein zu sagen. Der langjährige Gossauer Schulpräsident und Stadtrat Urs Blaser sagte dazu: «Was Brigitte vorschlägt, hat Hand und Fuss. Es braucht zwar Arbeit, aber den grössten Teil übernimmt sie dafür gleich selbst.» Hilber hob hervor, wie es Hollenstein gelinge, alle Leute in einem Projekt mitzunehmen und am Erfolg teilhaben zu lassen. Weiter betonte Hilber die Macherqualitäten der Geehrten. «Und sie lebt ihre Überzeugungen in der Familie auch selbst – mit Klarheit, Herz und Empathie.»
Stolz auf die Oma
Für die musikalische Umrahmung des festlichen Anlasses sorgten die Gruppe StimmBand unter der musikalischen Leitung von Rolf Engler sowie mit Laurina und Salome Hollenstein die beiden ältesten Enkelinnen der Preisträgerin. Die 18-jährigen Zwillinge bewiesen mit Gesang und an der Gitarre grosses musikalisches Talent, präsentierten gar einen selbstkomponierten Song und betonten, dass sie stolz auf ihre Oma sind.
Von Tobias Baumann