Susanne Hartmann
erntet für Ihre Aussagen zum Autobahnausbau harsche Kritik.
65 Jugendliche nahmen an der Jugendsession teil. z.V.g.
Mit dem Thema «Geld regiert die Welt?» stand bei der 52. Jugendsession die Frage im Vordergrund, wie Sparmassnahmen, Investitionen und gesellschaftliche Prioritäten künftige Generationen beeinflussen. Um die 65 motivierte Jugendliche fanden sich am Samstag im Regierungsgebäude Herisau ein, um aktuelle politische Herausforderungen zu diskutieren.
Jugendsession Landammann Hansueli Reutegger, Vorsteher des Departements Finanzen Appenzell Ausserrhoden, eröffnete den Tag und begrüsste die Jugendlichen mit dem Impuls, dass in den Kantonen nicht das Geld regiere, sondern der Wert eines Arguments. Der Vorstand des Jugendparlaments SG-AR-AI hat sich für das Thema Finanzen entschieden, da die Mitglieder festgestellt haben, dass es unter den Jugendlichen Bedarf gibt, über Finanzthemen zu sprechen. «Es besteht ein Konflikt zwischen der Investition in ihre Zukunft oder aber Sparen, damit sie später nicht auf Schulden sitzen. Das beschäftigt die Jugendlichen», sagt Simon Gründler, Co-Präsident des Jugendparlaments SG-AR-AI. Und da derzeit auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene überall Sparpakete geschnürt werden, sei das Thema aktuell und relevant. «Zudem ist wichtig, dass die Räte das Meinungsbild der Jungen dazu hören», so Gründler. Bevor die Jugendlichen aber im Kantonsratssaal debattierten, fanden Workshops statt, in denen sie mit Fachpersonen konkrete politische Themen weiterentwickelten. Zu den Gästen gehörten neben Kantonsrätinnen und Kantonsräten auch Regula Mader, Vizedirektorin im Staatssekretariat für Migration, sowie Nora Sieber, stellvertretende Leiterin des Bereichs Finanzpolitik des eidgenössischen Finanzdepartements, und Philipp Holderegger, Geschäftsführer der Caritas St.Gallen-Appenzell. «Es ist uns wichtig, dass wir Fachpersonen engagieren, die eine möglichst lange Expertise im jeweiligen Themenfeld haben. Und sollten die Positionen politisch nicht neutral sein, holen wir jeweils eine Gegenposition dazu, damit sich die Jugendlichen selbst eine Meinung bilden können», sagt Gründler. Ausserdem sollen die Teilnehmenden möglichst viele diverse Perspektiven und ein breites Spektrum an Meinungen hören. Die Experten gaben den Jugendlichen Inputs zu nachhaltiger Finanzpolitik, sozialer Gerechtigkeit, staatlicher Verantwortung und der Geschichte des Wohlstands. Die Teilnehmenden haben neben intensiven Diskussionen auch Forderungen an die Kantone ausgearbeitet.
Am Nachmittag ging das Programm nach Diskussionsrunden zu aktuellen Bereichen des St.Galler Sparpakets und der Ausserrhoder Verfassungsänderung mit einem Streitgespräch weiter. In einer Debatte zur Balance zwischen Sparen und Investieren tauschten sich Alt-Ständerat Paul Rechsteiner (SP) und Kevin Loosli, Präsident der Jungen SVP St.Gallen, aus. «Das war sehr spannend, da die beiden sehr unterschiedlich sind – Rechsteiner, der seine politische Laufbahn abgeschlossen hat, stand Loosli gegenüber, der noch ganz am Anfang steht», erzählt Gründler. Dabei habe Rechsteiner Positionen eingenommen, die man vielleicht eher von Jugendlichen erwartet. «Loosli sagte, es sei für ihn ein grosses Privileg gewesen, mit einer Politlegende diskutieren zu können. Er sprang spontan für Kantonsrätin Jennifer Abderhalden ein, da sie krankheitsbedingt absagen musste», sagt Gründler. Bei der Debatte kamen nebst finanzpolitischen auch ganz andere Themen auf. «Die Rolle des Militärs, Klimaschutz und vieles mehr – die Jugendlichen stellten gute Fragen, welche die Debatte spannend machten», meint Gründler.
Der Austausch habe eindrucksvoll die vielfältigen Perspektiven junger Menschen aus dem Publikum gezeigt, ebenso die Herausforderung, den Staat angemessen zu finanzieren und gleichzeitig zukunftsfähig zu gestalten. Nach dem Streitgespräch hatten die Jugendlichen im Plenum die Gelegenheit, zu den in den Workshops erarbeiteten Forderungen Änderungsanträge zu stellen und zu diskutieren um dabei, nach Abstimmungen, konkrete Vorschläge für die kantonale Politik zu formulieren. Die zwei resultierenden Forderungen beinhalten zum einen Massnahmen, um jungen Leuten in Schulen ein besseres Finanzverständnis für ihre Zukunft beizubringen und die Stärkung der akademischen Chancengleichheit – zum Beispiel durch eine Senkung der Schul- und Ausbildungsgebühren und die Unterstützung von einkommens-schwächeren Familien. «Das Jugendparlament wird diese Impulse an die jeweiligen Büros der Kantonsräte weiterleiten. Da sind wir in einem sehr aktiven Austausch. Je nachdem werden jeweils gewisse Forderungen diskutiert und weiter verfolgt – oder aber an den Regierungsrat weitergeleitet, sollte es kein Geschäft für den Kantonsrat sein», so Gründler. Man wolle die Jugendpolitikstrategie gemeinsam mit den Kantonen ausserdem weiter verstärken, um die Partizipation Jugendlicher neu zu gewichten. «Da erarbeiten wir derzeit neue Wege, um zu ermöglichen, dass Jugendliche als aktives Sprachrohr direkter mitdiskutieren können», erklärt Gründler.
Die hohe Beteiligung an der Jugendsession zeige deutlich, dass junge Menschen auch in politischen und gesellschaftlichen Fragen Verantwortung übernehmen möchten. «Ist man im Kantonsratssaal, fühlt es sich an, als wäre man wirklich in dieser Rolle – das hat grosse Wirkung auf die Jugendlichen. Ausserdem lernen sie, die politische Auseinandersetzung mit diversen Meinungen kennen», sagt Gründler. Das sei in Zeiten von Social Media, in denen man sich nur in der eigenen Blase bewegt, besonders wichtig. Für viele sei das Jugendparlament ein Sprungbrett in die Politik. «Selbst wenn das nicht der Fall ist, kann das Erlernte Einfluss auf den Alltag und das Berufsleben haben. So hat man bereits einmal gelernt, für seine Positionen einzustehen und eine gute Diskussion zu führen. Jugendliche können viel für den weiteren Weg mitnehmen», sagt Gründler.
Stefanie Rohner
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