Karin Jung
verlässt das Amt für Wirtschaft und Arbeit nach sieben Jahren.
A education and school concept little student girl studying at school
Immer mehr Kantone wollen das Frühfranzösisch abschaffen und die Sprache erst ab der Oberstufe unterrichten. Nun droht der Bund, ein Machtwort zu sprechen, da er befürchtet, dass die harmonisierte Schulbildung und der nationale Zusammenhalt leiden werden.
Bildung Der Bund überlegt, die Kantone allenfalls dazu zu verpflichten, weiter eine zweite Landessprache auf Primarstufe zu unterrichten. Deshalb hat der Bundesrat kürzlich das Innendepartement beauftragt, eine Vorlage mit zwei Varianten auszuarbeiten. Dem Kanton Appenzell Innerrhoden stösst das sauer auf. Dort wurde ab 1997 Französisch auf Primarstufe unterrichtet, doch bereits 2001 stellte der Kanton auf Englisch um. Seither lernen die Schülerinnen und Schüler Französisch erst ab der Oberstufe. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden zeigt mehr Verständnis für die Ansicht des Bundes. Ist dennoch Druck spürbar? «Der Bundesrat hat ja verschiedene Handlungsoptionen aufgezeigt. Diese gilt es nun abzuwägen. In dieser Debatte gilt es aber zu beachten, dass die Schulbildung in die verfassungsrechtliche Zuständigkeit der Kantone fällt», sagt Regierungsrätin Susann Metzger, Vorsteherin Departement Bildung und Kultur. Der Kantonsrat hat bereits einen Vorstoss angenommen, Französisch auf die Oberstufe zu verschieben. Dieser wird nun aber nicht sofort bearbeitet, auch wenn der Regierungsrat den Auftrag erhalten hat, Modelle für eine Verschiebung von Französisch auf die Oberstufe oder eine veränderte Förderung in der Primarschule auszuarbeiten. Auch eine Gesetzesanpassung soll geprüft werden. «Wie bei jeder Gesetzesanpassung ist es auch in diesem Fall wichtig und richtig, das Umfeld genau zu analysieren und bei den Arbeiten zu berücksichtigen», so Metzger. Aufgrund der Entwicklungen auf nationaler und fachlicher Ebene würden die Arbeiten derzeit nicht forciert. «Indem sich Appenzell Ausserrhoden an den Diskussionen beteiligt, wird im weitesten Sinne auch gemäss Motion gearbeitet.» Metzger betont, dass es trotz kantonaler Zuständigkeit wichtig sei, dass die einzelnen Schulsysteme vergleichbar sind – dies zugunsten der Kinder und Jugendlichen. «Kinder müssen bei Umzügen möglichst einfach ihre Schullaufbahn weiterführen können. Wir sind ein kleiner Kanton, der sich eine Isolation in der Volksschulbildung schlicht nicht leisten kann», so Metzger. Aus ihren Erfahrungen als ehemalige Schulpräsidentin könne sie aber klar sagen, dass die Qualität der Schule und speziell das Betreuungsangebot eine zentralere Rolle spielen als die Frage, ab welchem Schuljahr welche Sprache unterrichtet wird.
Im Rahmen der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) werden daher derzeit Möglichkeiten erarbeitet, die zu einer gemeinsamen Lösung führen können. «Sprachregional darf es meiner Meinung nach nur ein Modell geben», meint Metzger. In der Ostschweiz sind die Haltungen zum Frühfranzösisch ähnlich: Innerrhoden hat es schon längst abgeschafft und zeigt sich sehr kritisch gegenüber dem Eingriff des Bundes, auch der Kanton Thurgau will Frühfranzösisch aus den Primarschulen verbannen. Im März beauftragte der Kantonsrat von Appenzell Ausserrhoden den Regierungsrat, eine Vorlage auszuarbeiten um das Frühfranzösisch in die Oberstufe zu verschieben. Im September folgte der Kanton St.Gallen mit der Meinung, Frühfanzösisch abschaffen zu wollen. «Wir sind hier in der Schweiz, da dürfen verschieden Meinungen geäussert werden. Die Eingriffsbefugnis des Bundes kann in der Tat kontrovers diskutiert werden. Ich betone noch einmal, dass für mich ein Konsens innerhalb der Sprachregion an erster Stelle steht», sagt die Regierungsrätin.
Innerrhoden verweist entschieden auf die kantonale Hoheit im Bildungswesen. Teilt Metzger diesen Einwand oder ist der Spielraum des Bundes grösser? «Die Umsetzung der fraglichen Bestimmungen aus dem Sprachengesetz zum Schulunterricht ist Sache des Bundes und der Kantone. Der Bundesrat kann eine Gesetzesanpassung jederzeit erarbeiten lassen. Wichtig ist meines Erachtens, dass eine Lösung resultiert, die mehrheits- und tragfähig ist und letztlich für die Kinder einen Mehrwert bedeutet», sagt die Bildungsdirektorin. Auf welche Weise dies geschehe, stehe für sie derzeit nicht im Vordergrund. Ob es realistisch ist, dass alle Ostschweizer Kantone gemeinsam eine Lösung finden, die sowohl dem Bundesrat als auch den lokalen Bedürfnissen entspreche, könne sie momentan nicht beurteilen. «Das hängt auch vom weiteren Verlauf der Diskussionen in der EDK ab. Es darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass die laufende Debatte eine stark emotionale Komponente aufweist. Dennoch meine ich, dass sich die Ostschweiz in jüngster Vergangenheit mehrmals zusammengerauft und Lösungen zutage gebracht hat», so Metzger. Bislang haben die Äusserungen des Bundesrates nur einen marginalen Einfluss auf die laufende politische Diskussion in Ausserrhoden, denn der Bundesrat wird erst dann eingreifen, wenn sich die Kantone nicht finden.
Stefanie Rohner
Eine Variante, die der Bundesrat ausarbeiten lässt, ist die Festschreibung der geltenden Konkordatslösung im Sprachengesetz. Dort heisst es, dass in den Primarschulen zwei Fremdsprachen unterrichtet werden, eine zweite Landessprache und Englisch. Die zweite Variante wäre eine Minimalvorgabe, welce den für das Bildungswesen zuständigen Kantonen mehr Spielraum gibt. Bei dieser Variante soll eine zweite Landessprache ab der Primarschule und bis zum Ende der Sekundarstufe I unterrichtet werden müssen.
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