Mathias Gabathuler
hat Gespräche zum Sportpark Gründenmoos wieder aufgenommen.
Jennifer Abderhalden will in den Nationalrat. z.V.g
Die Konstellation löst ein Déjà-vu aus: Wie schon 2019 tritt Jennifer Abderhalden (FDP) gegen einen SVP-Kandidaten an – wieder geht es um den Sitz im Nationalrat. Mit einem Rückstand von lediglich 159 Stimmen auf David Zuberbühler verlor sie 2019 das Rennen nur knapp. Seither hat sie viele politische Erfahrungen gesammelt – und geht erneut motiviert ins Rennen.
Politik David Zuberbühler gab seinen Rücktritt überraschend während der Legislatur bekannt. Die SVP präsentierte mit Edgar Bischof sogleich einen Kandidaten. Die FDP Appenzell Ausserrhoden handelte ebenfalls schnell und die Delegierten waren sich einig, Jennifer Abderhalden zu nominieren. Im Wahlkampf 2019 war Abderhalden politisch unbekannter. Sie sprang damals kurzerhand für Daniela Merz ein, die ihre Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste. «Durch den Wahlkampf damals habe ich sehr viel mehr Bekanntheit erhalten. Es wurde mir damals nachgesagt, ich sei politisch ein unbeschriebenes Blatt – das hat sich klar verändert. Inzwischen bin ich in der Parteileitung der FPD Ausserrhoden, in der Finanzkommission meiner Wohngemeinde Speicher, seit 2024 Kantonalpartei-präsidentin und seit vergangenem Jahr Mitglied des Kantonsrates», sagt Abderhalden. Sie fühle sich persönlich besser gerüstet, ausserdem habe sich auch die private Situation verändert. «Meine Tochter ist nun erwachsen. Die Frage nach der Vereinbarkeit, die mir im letzten Wahlkampf oft gestellt wurde, fällt also weg», sagt Abderhalden. Auch Zuberbühler hat Kinder, die damals im selben Alter gewesen sind. «Bei ihm war das kein Thema – es wurde mit verschiedenen Ellen gemessen», so Abderhalden.
Sie hat schon 2019 klar gemacht, dass sie gerne in den Nationalrat will. Das ist bis heute so. «Das damalige Ergebnis, das gut war, bestätigte mich darin, dass die Chancen auf eine Wahl intakt sind, wenn ich an meiner politischen Erfahrung arbeite. Auch wenn die Zeit knapp war, mich ins Rennen zu schicken, musste ich diese Chance ergreifen», meint Abderhalden. An einem Podium sei ihr allerdings angekreidet worden, sie sei ja erst kurz im Kantonsrat, warum sie denn für den Nationalrat kandidiere. «Wir haben die Kandidatur nicht gesucht. Der Rücktritt von Zuberbühler hat uns dazu veranlasst. Sollte ich nicht gewählt werden, führe ich meine Arbeit im Kantonsrat genauso gern weiter wie jetzt.»
Der Rücktritt Zuberbühlers kurz vor Weihnachten liess die FDP schnell handeln – eine Findungskommisison wurde gegründet und eine Delegiertenversammlung einberufen. Nebst Abderhalden hat sich aus der FDP niemand für die Kandidatur gemeldet. Sie vermutet, dass die Kurzfristigkeit Absicht der SVP gewesen sei und dass deshalb keine weiteren Kandidierende aus anderen Parteien ins Rennen geschickt worden seien. «Die kurze Frist stellt eine Herausforderung dar, da die Wahl sowohl private als auch berufliche Konsequenzen hat», so Abderhalden. Bis zur Ersatzwahl am 8. März hat die FDP-Kandidatin noch Zeit, ihren Wahlkampf zu führen. «Mein Ziel ist, möglichst vielen Menschen zu begegnen, damit sie mich persönlich kennenlernen können. Ich will in der kommenden Zeit viel in Ausserrhoden unterwegs sein, um ins Gespräch zu kommen», meint Abderhalden. Zudem seien bereits Podiumsdiskussionen mit Gegenkandidat Edgar Bischof geplant. «Es wird einige Möglichkeiten geben, uns kennenzulernen.»
Im letzten Wahlkampf um den Nationalratssitz hatte sie drei Wochen mehr Zeit. «Im Nachgang waren wir kritisch mit uns, stellten aber fest, dass wir im Wahlkampf keinen Bock geschossen haben. Wir haben innert der kurzen Zeit das Möglichste heraus-geholt. Darauf möchten wir im jetztigen Wahlkampf aufbauen», sagt die FDP-Politikerin. Unterstützerinnen und Unterstützer von damals seien nach wie vor an ihrer Seite. «Mir ist ausserdem wichtig, dass der Wahlkampf fair bleibt – das haben wir 2019 gut hinbekommen. Das wünsche ich mir auch für dieses Mal.»
Mit Abderhalden und Bischof stehen der Bevölkerung von Ausserrhoden zwei Parteien und Personen zur Auswahl. Wie möchte Abderhalden auch Leute ausserhalb der FDP-Wählerbasis von sich überzeugen? «Eine Nationalrätin ist die Vertretung der Ausserrhoder Bevölkerung. Daher wäre es einfacher, wenn unser Kanton mehrere Sitze im Nationalrat hätte, dann wären alle politischen Präferenzen abgedeckt», so Abderhalden. Sie sei aber der tiefen Überzeugung, dass es wichtig sei, eine Person im Nationalrat zu haben, die nicht aus einer Pol-Partei stammt, sondern aus dem politischen Zentrum kommt. «Ich bin und wähle bürgerlich, habe mein Profil in den letzen Jahren geschärft und verbiege mich nicht. Ich verspreche, dass ich Anliegen – egal welcher Art – ernst nehme und zuhöre», sagt Abderhalden. Auch als bürgerliche Politikerin misst sie Themen wie Vereinbarkeit und Gleichstellung grosse Bedeutung bei und richtet damit den Blick auf Anliegen der Linken. «Ich bin interessiert an Dialogen und ich will Brücken in alle Richtungen bauen. Politik bedeutet, dass man Kompromisse bildet und Koalitionen schliesst. Daher hoffe ich sehr, dass ich auch für Personen ausserhalb der FDP wählbar bin», meint sie. Die SVP hat im Wahlkampf das Argument gebracht, man wolle verhindern, nebst Andrea Caroni im Ständerat eine weitere FDP-Vertretung in Bern zu haben. Abderhalden kontert darauf: «Ich möchte verhindern, dass wir für Ausserrhoden zwei Männervertretungen haben. Seit 15 Jahren sass für Ausserrhoden keine Frau mehr im Nationalrat», sagt Abderhalden. Laut Wikipedia-Eintrag gab es für Ausserrhoden gesamthaft 41 Nationalräte – zwei davon waren weiblich.
Für Abderhalden ist klar, wo ihr Schwerpunkt thematisch liegen soll, wenn sie für Ausserrhoden im Nationalrat wäre. «Das Thema Sicherheit wäre für mich ein zentraler und wichtiger Punkt. Nicht aber nur in Hinblick auf Militär oder Polizei, sondern in sehr vielen Themen, welche die Sicherheit gewährleisten. So beinhalte das die Finanzpolitik oder aussenpolitische Beziehungen zu Wirtschaftspartnern in geopolitisch schwierigen Zeiten. «Die Zukunftsfähigkeit des Sozial-systems als auch Landesverteidigung und Energiesicherheit sind zentral – und wie wir alles in die Zukunft bringen können», so die Nationalratskandidatin. Nebst dem Thema Sicherheit habe Ausserrhoden aber weitere gesellschaftliche und politische Baustellen. «Unsere Demografieentwicklung unterscheidet sich von anderen Regionen . Im Durchschnitt ist die Bevölkerung hier älter – das bringe Themen wie Spital-, Alters-, und Pflegeheimplanung aufs Parkett. Durch den alten Häuserbestand in Ausserrhoden seien auch Beschlüsse rund um Energiethemen von grosser Bedeutung, ebenso wie die Mobilität. «Es geht darum – egal bei welchem Thema – aufzuzeigen, was Vorschriften und Beschlüsse aus Bern für den Kanton Ausserrhoden in der Umsetzung bedeuten würden.»
David Zuberbühler hat Ausserrhoden rund zehn Jahre in Bern vertreten. Gibt es etwas, das Abderhalden anders machen würde, als er? «Er war ein sehr fleissiger Nationalrat und stets anwesend in Bern. Das ist sehr löblich. Im Gegensatz zu ihm würde ich allerdings versuchen, in möglichst viele Kommissionen zu kommen. Die politische Gestaltung findet vor allem dort und nicht nur im Nationalratssaal statt», ist Abderhalden überzeugt. Im Rat selbst seien die Meinungen weitestgehend gemacht, die Diskussionen fänden im Hintergrund in den Kommissionen statt. «Es ist natürlich nicht gesagt, dass ich einen Sitz in einer Kommission erhalten würde. Je nachdem ist auch keiner frei. Aber dort möchte ich mich unbedingt engagieren.»
Stefanie Rohner
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