Der Gemeinderat möchte zusätzliche 80 Stellen-Prozent für die Standortförderung von Herisau bewilligen lassen. Roland Zumbuehl
03.09.2025 05:44
«Ohne Investition würden wir nicht vorwärts kommen»
Der Gemeinderat beantragt beim Einwohnerrat eine 80-Prozent-Stelle für die Standortförderung
Der Gemeinderat möchte die Leistungen in der Standortförderung klar definieren, stärken und sowohl für das lokale Gewerbe als auch für die Bevölkerung und Vereine einen Mehrwert erlangen. Dazu sollen Stellenprozente geschaffen werden.
Politik Der Leistungsumfang sei bislang nicht konkret festgelegt gewesen, sondern habe sich über die Jahre hinweg entwickelt. Der Gemeinderat beantragt deshalb beim Einwohnerrat, eine 80-Prozent-Stelle für eine verstärkte Standortförderung zu bewilligen. Damit verbunden sind zusätzlich 30'000 Franken Sachaufwand pro Jahr – diese Mittel sind bereits eingestellt. Die Finanzen sind im Einwohner- als auch Gemeinderat immer wieder grosses Thema. Glen Aggeler, Gemeinderat, meint dazu aber: «Der Betrag ist auf die Personalkosten und den Sachaufwand von jeweils 30'000 Franken aufzuteilen. Speziell ist, dass wir über den Umbau einer einzigen Bushaltestelle für beispielsweise 300'000 Franken kaum diskutieren. Hier investieren wir 120'000 Franken für eine attraktive und lebendige Gemeinde und damit für die Zukunft.» Er betont zudem, dass bei einer Prüfung, ob sich die Investition in die Standortförderung lohnen würde, Veränderungen wahrnehmbar sein müssen.
Wichtiger Bestandteil
«In diesem Bereich lässt sich nicht alles in Kennzahlen definieren oder auf die Standortförderung allein schliessen. Es sind dies jedoch die Anzahl Veranstaltungen, die Nutzungen von Angeboten, aber auch das Wachstum einer Gemeinde. Wobei gerade Letzteres verschiedenen Puzzle-Teilen zuzuordnen ist. Die Standortförderung ist aber wichtiger Bestandteil, welchen man nun die notwendige Gewichtung zukommen lassen will», so Aggeler. Auch könnte die Frage auftauchen, ob die Standortförderung bei den weiteren anstehenden Aufgaben in Herisau die wichtigste Investition ist. Aggeler ist sicher: «Diese Aufgabe ist gerade für die nachhaltige Ausrichtung sehr wichtig. Wenn wir uns nur mit den täglichen Herausforderungen beschäftigen, dann werden wir nicht vorwärtskommen. Der Einsatz dieser Mittel wäre wichtig und ist gleichzeitig wirtschaftlich sowie verhältnismässig. Es wäre eine Investition in die Zukunft unserer Gemeinde sowie deren Positionierung und Wahrnehmung», betont der Gemeinderat.
«Zwischennutzungen denkbar»
Die Gemeinde mache bereits einiges, um die Attraktivität Herisaus zu fördern. Die aktuellen Leistungen umfassen die Unterstützung von Kultur, Brauchtum und Veranstaltungen, teilweise die Begleitung von Grossanlässen, Gewerbebesuche, eine liberale Haltung bei der Bewilligung von Anlässen auf öffentlichen Plätzen, die Organisation diverser Märkte, die Bewirtschaftung von Broschüren oder die Infostelle Tourismus. Generell gesehen beinhalte sie die Bereiche Wirtschaftsförderung, Wohnortmarketing, Eventmarketing, Kulturförderung, Tourismus und Verwaltungsmarketing (z.B Sonderseiten im «de Herisauer»). Was würde sich in der Standortföderung ändern, würde die Stelle bewilligt? «Wir werden Kooperationen suchen. Bei den Vereinen ist geplant, dass sie vermehrt eine Ansprechstelle für ihre Anliegen oder die Durchführung einer Veranstaltung haben. Dies war ein Ergebnis aus der Umfrage über die Kommunikation der Gemeinde», sagt Aggeler. Ausserdem würden sich Gewerbe und Detailhandel sowie die Gastronomie und Hotellerie eine Entwicklung wünschen. Weiter sollen neue Märkte – zum Beispiel Frühjahrs- oder Mittelaltermärkte – aufgebaut und Projekte zur Belebung von Herisau aufgegleist werden. «Zwischennutzungen auf leeren Flächen sind auch denkbar, ebenso wie die Mitbewirtschaftung von gemeindeeigenen Social-Media-Kanälen und der Akquisition von Veranstaltungen», meint Aggeler.
Im Voranschlag bereits eingestellt
Mit Tourismusorganisationen oder der Kultur würde es keine zu grossen Überschneidungen geben. «Wir haben dies innerhalb der Verwaltung mit der Konzeption abgesprochen und es wird nur wenige Überschneidungen geben – diese sind aber vielmehr gemeinsame Gestaltungsräume», so Aggeler. Punkto Tourismus meint er, dass man nur wegen des früheren Geschäftsstellensitzes von Appenzellerland Tourismus (ATAG) in Herisau keinen Vorteil gehabt habe. «Die Info-Stelle wurde bereits heute von der Gemeinde gestellt. Die ATAG hat keine besondere Positionierung der Gemeinde vorgenommen. Entsprechend hören wir von Bevölkerungskreisen und dem Gewerbe, dass wir uns mehr positionieren sollen. Dies will man nun mit dem Standortmarketing.» Durch die gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Veränderungen – vor allem im digitalen Bereich, die Entwicklungen beim Kaufverhalten und bei den Anforderungen an die Lebensqualität – würden sich zusätzliche Leistungen aufdrängen. «Hier will sich die Gemeinde stark positionieren. Dies soll auch in Zusammenarbeit und in Ergänzung des bestehenden Kommunikationsteams erfolgen. Die Digitalisierung ist auch hinsichtlich der Effizienz sehr wichtig. Man soll die Gemeinde mit all seinen Vorzügen und Vorteilen aktiver wahrnehmen», sagt Aggeler. Damit wäre die Gemeinde Herisau in ihrer Dienstleistungserbringung zur Standortförderung auch im Vergleich mit anderen Ostschweizer Gemeinden ähnlicher Grösse nicht mehr unterdotiert, wie eine Überprüfung gezeigt hat. Das Geschäft geht nun an den Einwohnerrat, der es voraussichtlich am 17. September behandeln wird.
Stefanie Rohner