Samuel Rohner (l.) und Walter Tanner aus Waldstatt. sro
18.06.2025 04:22
Wie geht es den Bienen in Appenzell Ausserrhoden?
Ein Hobbyimker und ein Bieneninspektor sprechen über Massnahmen, die alle treffen können, um zu helfen
Medial entsteht der Eindruck, dass die Bienen immer mehr unter Druck geraten. Derzeit ist die asiatische Hornisse in aller Munde. Doch wie geht es den Bienen in Ausserrhoden wirklich? Samuel Rohner und Walter Tanner geben Einblick.
Bienen Sie bestäuben Blüten und tragen so entscheidend zur Fortpflanzung vieler Pflanzen bei. Sie sind unverzichtbar für die Landwirtschaft und die Biodiversität, da ohne ihre Bestäubungsarbeit viele Obst-, und Wildpflanzen keine Früchte tragen und sich nicht mehr vermehren könnten. Samuel Rohner, Gemeinderat aus Waldstatt und verantwortlich für das Ressort Umwelt, war früher Geschäftsstellenleiter von Bienen Schweiz, dem Imkerverband der deutschen und rätoromanischen Schweiz, und imkert nun seit einigen Jahren selbst. «Bienen haben mich immer interessiert und ich bin naturverbunden. Der Imkergrundkurs des Bienenzüchtervereins Appenzeller Hinterland bot mir die Chance, selbst mit der Imkerei zu beginnen», erzählt Rohner. Walter Tanner aus Waldstatt ist ebenfalls naturverbunden. Er bringt eine Erfahrung von fast 50 Jahren als Imker mit, ausserdem ist er Bieneninspektor des Kantons. «Ich durfte früher einen damaligen Pächter, der Imker war, immer wieder zu seinen Bienen begleiten. Mein Interesse war entfacht», meint Tanner. In all seinen Jahren als Imker habe sich vor allem eines verändert: der Aufwand. «Es war viel einfacher. Im Frühling schaute man, ob die Bienen den Winter gut überstanden haben. Allenfalls hat man Honig zugefüttert, im August den Honig entnommen und gegen Herbst etwas Zuckerwasser gefüttert und die Bienen auf den Winter hin zugedeckt.» Heute sei der Aufwand massiv grösser, da Vielfalt und Verfügbarkeit der Blühpflanzen massiv abgenommen hätten. «Es gab früher mehr Blühpflanzen als Spender von Nektar und Pollen über die gesamte Vegetationszeit. Heute werden Wiesen vielerorts gleichzeitig innert kurzer Zeit abgeschnitten», so Tanner.
Komme keine Nahrung mehr, lege die Königin weniger Eier. Ebenfalls ein Faktor sei, dass die Landwirtschaftsbetriebe grösser sind als früher. Komplexer sei die Bienenhaltung zudem, da heute die Varroamilbe den Bienenvölkern gefährlich werden kann. Rohner sagt, er sei laufend dabei, mehr über die Imkerei und die Bienen zu lernen. «Ich versuche stets, bestmöglich auf meine Völker zu achten. Letztes Jahr hatte ich das erste Mal Honig», so Rohner. In der Imkerei sei die Erfahrung sehr wichtig, die man über die Jahre sammle. Das letzte Jahr sei für die Bienen ein herausforderndes gewesen, da es den Sommer über ständig geregnet hatte. «Jedes Jahr ist anders, das macht unsere Arbeit spannend. Es ist schnelllebig und man muss immer sofort entscheiden und reagieren», so Tanner.
Artenvielfalt massiv kleiner
Der Bieneninspektor setzt sich seit Jahren für den Erhalt der Dunklen Biene ein – es handelt sich dabei um die bei uns heimische Art der Honigbiene. Wildbienen unterscheiden sich von den Honigbienen in diversen Punkten. «Wildbienen sind Einzelgänger – sie bilden keine Völker und fliegen viel kürzere Strecken. Hier in der Gegend gibt es bis zu 400 verschiedene Sorten von Wildbienen», so Tanner. In Zusammenhang mit der Dunklen Biene betreibt der Bienenzüchterverein, dessen Präsident Tanner ist, seit über 25 Jahren die Bienen-Belegstation auf der Schwägalp. «Heute ist man gar schon so weit, dass man diese Art künstlich besamt, damit sie ihre Gene und Merkmale behält», sagt Tanner.
Die Bienenhotels, die man sich auf den Balkon hängen kann, werden zwar von Wildbienen aufgesucht aber: «Ein solches Bienenhotel hilft einer kleinen Zahl von wenig bedrohten Arten – der grösste Teil der Wildbienen nistet im Boden und benötigt offene Bodenstellen, die immer rarer werden. Und die Bienen leben von der Artenvielfalt, die heute massiv kleiner ist. Daher hilft, Pflanzen für Bienen im Garten auszusähen oder bienenfreundliche Heckenplanzen zu setzen», so Tanner und Rohner. So kann jede Person im Kleinen Gutes für die Bestäuber tun.
Verantwortung übernehmen
«Hobbyimker müssen mit der Natur mitgehen – wenn die Vegetation früher zu Ende geht, dann beginnt man auch früher mit den Vorbereitungen auf den Winter. Seit dem Auftreten der Varroamilbe liegt es nicht mehr drin, damit länger zu warten», betont Tanner. Man habe in der Gesellschaft ohnehin die Nähe und das Leben mit der Natur verlernt – als Imker und Tierhalter müsse man sich immer an der Entwicklung der Natur orientieren. Angesprochen auf die Gefahr durch die asiatische Hornisse appellieren die beiden daran, nicht in Panik zu verfallen. «Bislang wurde hier in der Ostschweiz erst in Engelburg ein Nest gefunden. Klar muss die Situation beobachtet werden und es sind Massnahmen notwendig», so die beiden Imker. Die Flugfähigkeiten der asiatischen Hornisse könnten mit einem Helikopter verglichen werden. «Sie kann in jede erdenkliche Richtung fliegen, die Biene nicht. Ausserdem können sie die kältesten Winter überleben», sagt Tanner. Ein asiatisches Hornissenvolk verzehrt pro Jahr etwa 11 bis 20 Kilogramm Insekten. Das Wichtigste sei, dass Bienenvölker gesund und gross sind. «Dann können sie sich auch gegen ihre Feinde wehren», betonen Tanner und Rohner. Dafür habe jeder Imker und jede Imkerin die Verantwortung zu übernehmen.
Stefanie Rohner