Karin Jung
verlässt das Amt für Wirtschaft und Arbeit nach sieben Jahren.
Nando Kuhn führt sein Solo-Theaterstück am 16. Januar in der Grabenhalle auf.
Am 16. Januar feiert das Solostück Die Wahrheit trägt Schminke in der Grabenhalle St.Gallen Premiere. Der junge Künstler verbindet darin Clowning, Monolog, Improvisation und Musik zu einem intensiven Bühnenabend über Leistungsdruck, Scheitern und Ehrlichkeit.
Wer ist die Figur Piko, wie ist sie entstanden und wie viel von Ihnen selbst steckt in der Figur?
Piko ist eine clowneske Bühnenfigur, ein Comedian mit starken Anleihen aus dem Clowning. Diese Figur hat mich schon lange fasziniert, weil der Clown einerseits als lustig wahrgenommen wird, andererseits aber eigentlich ständig scheitert. Dieses Scheitern ist oft tragisch und genau darin liegt für mich eine grosse emotionale Tiefe. Piko ist ein Künstler, der kurz vor seinem Auftritt in der Garderobe sitzt und merkt, dass er nicht mehr kann: nicht mehr spielen, nicht mehr lustig sein. In dieser Figur steckt auch viel von mir, vor allem das Gefühl, funktionieren und Erwartungen erfüllen zu müssen. Ich denke, dieses Gefühl ist jedem Menschen bekannt. Gleichzeitig ist Pikos Geschichte nicht rein autobiografisch, sondern auch von anderen Lebensgeschichten und Schicksalen inspiriert.
Sie sagen «Aus der Show wird Geständnis» – was bedeutet dies konkret?
Piko versucht zunächst, seine geplante Comedy-Show zu proben. Doch je mehr er es versucht, desto deutlicher wird, dass das Spielen nicht mehr funktioniert. Die Fassade beginnt zu bröckeln, bis es schliesslich zu einem Zusammenbruch kommt. Aus der einstudierten Show wird ein ehrliches Geständnis. Ein Moment, in dem Piko sich selbst und seinen eigenen Gefühlen stellen muss.
Was bedeutet der Titel «Die Wahrheit trägt Schminke» für Sie?
Der Titel beschreibt den Zustand der Figur zu Beginn des Stücks sehr treffend. Die Wahrheit ist geschminkt, überdeckt und versteckt hinter einer Rolle. Sie zeigt sich nicht so, wie sie wirklich ist. Ob diese Schminke im Verlauf des Abends abgelegt wird oder nicht, darf das Publikum selbst entdecken.
Welche Lehren sollen die Zuschauerinnen und Zuschauer aus deinem Stück ziehen? Was ist die Botschaft?
Ich möchte mit dem Stück eigentlich weniger jemanden belehren. Vielmehr soll es einen Raum öffnen, um einen ehrlichen Blick auf ein Thema zu werfen, das viele kennen: den Druck, funktionieren zu müssen und Erwartungen zu erfüllen. Meine Botschaft ist, dass dieses Gefühl existiert, dass es okay ist und dass man über Themen, die einen belasten, sprechen darf, anstatt sie zu verdrängen oder totzuschweigen.
Das Stück entstand im Rahmen deiner Fachmaturitätsarbeit. Wie lange hat der gesamte Entstehungsprozess gedauert und was waren die grössten Herausforderungen?
Die erste Idee zum Stück entstand im Mai 2025. Relativ schnell war mir klar, dass ich im Rahmen meiner Fachmaturitätsarbeit etwas Künstlerisches realisieren möchte. Konkret einen längeren, eingeschriebenen Monolog. Einerseits aus inhaltlichem Interesse, andererseits auch mit Blick auf Schauspielaufnahmeprüfungen, die ich gerne machen würde, für die ein solcher Monolog an einigen Schulen gewünscht wird. Im Juni und Juli kristallisierte sich das Thema immer klarer heraus, insbesondere meine Faszination für das Clowning. Ab August begann ich intensiv am dramaturgischen Aufbau zu arbeiten, mit einer klaren Struktur von Anfang, Zuspitzung, Höhepunkt und Auflösung, angelehnt an das klassische Fünf-Akt-Prinzip. Danach begann eine lange Schreibphase, in der ich einfach «drauflosschrieb», Ideen sammelte und ordnete. Bis im Dezember war das Stück schliesslich von Anfang bis Ende fertig und bereit für die Proben. Die grösste Herausforderung war für mich nicht nur der künstlerische Teil, sondern der gesamte organisatorische Aufwand, den ich stark unterschätzt habe: das Schreiben des Stücks, das Verfassen der Fachmaturitätsarbeit, das Proben, die Organisation des Aufführungsabends, das Anfragen von Stiftungen, das Erstellen von Dossiers, die Zusammenarbeit mit der Grabenhalle sowie Öffentlichkeitsarbeit wie Flyer und Kommunikation. All diese Prozesse parallel zu bewältigen, war anspruchsvoll, aber auch sehr lehrreich. Auch der künstlerische Prozess selbst war herausfordernd. Ein Stück zu schreiben, das fast eine Stunde lang von einer einzigen Person getragen wird, erfordert eine klare Dramaturgie und viel Bewusstsein dafür, warum eine Figur spricht, wann sie schweigt und wie Spannung entsteht. Sich diesen Fragen alleine zu stellen, war herausfordernd, aber auch eine sehr prägende Erfahrung. Ich bin gespannt, wie es am 16. Januar wirkt.
Was haben Sie während des Entwicklungsprozesses über sich selbst als Mensch und Künstler gelernt?
Der Entwicklungsprozess hat mir unglaublich viel beigebracht, sowohl künstlerisch als auch persönlich. Ich habe mich intensiv mit dramaturgischen Fragen auseinandergesetzt: Wie hält man alleine auf der Bühne fast eine Stunde lang Spannung? Warum spricht eine Figur überhaupt? Was treibt sie an? Diese Fragen haben mein Verständnis für Theater stark vertieft. Gleichzeitig habe ich viel über Organisation, Verantwortung und Durchhaltevermögen gelernt. Dinge wie Lichtkonzepte, Zeitplanung oder Projektkoordination waren für mich neu. Auch inhaltlich hat mich die Auseinandersetzung mit den Themen des Stücks stark geprägt. Sich intensiv mit Fragen von Funktionieren, Durchhalten und Verdrängen zu befassen, macht etwas mit einem. Auch wenn das emotional fordernd war, bin ich sehr dankbar für diese Erfahrung.
Sie arbeiten mit Monolog, Improvisation und Musik. Was war die Überlegung hinter dieser Entscheidung?
Der Monolog war für mich eine bewusste Entscheidung, einerseits wegen der Schauspielaufnahmeprüfungen, andererseits aus einer grossen Faszination für Ein-Person-Stücke. Mich interessiert die Herausforderung, alleine auf der Bühne zu stehen und einen ganzen Abend zu tragen. Die Improvisation ist mir wichtig, weil sie mir eine gewisse Freiheit lässt. Zwar gibt es eine klare Struktur und einen festen Ablauf, doch spiele ich gerne aus der jeweiligen Intention und aus dem Moment heraus. Dadurch bleibt das Spiel lebendig und ehrlich. Die Musik wiederum ist ein zentraler Bestandteil meines Lebens und konnte für mich im Stück nicht fehlen. Sie übernimmt dort eine Rolle, wo Worte an ihre Grenzen kommen. Für mich gilt sehr stark der Gedanke: Wo Sprache aufhört, beginnt die Musik, und genau das macht sie auch in diesem Stück.
Sie zeigen Ihr Stück am 16. Januar in der Grabenhalle St.Gallen. Wie ist es dazu gekommen?
Ursprünglich wollte ich im Rahmen meiner Fachmaturitätsarbeit «nur» einen Monolog schreiben und etwas Theatrales erarbeiten. Durch die vielen Ideen und den Wunsch, verschiedene Formen auszuprobieren, entwickelte sich daraus jedoch relativ schnell ein ganzes Ein-Personen-Stück. Mir war bald klar, dass ich dieses Stück nicht nur für mich, sondern auch öffentlich zeigen möchte. Als Spielort hat sich die Grabenhalle sehr schnell angeboten: Sie ist zentral, offen für Menschen jeden Alters und bietet genau den Raum, den ich mir für dieses Projekt gewünscht habe. Die Grabenhalle war für mich ein echter Wunschort – umso schöner, dass sich dieser Traum realisieren liess. Dafür bin ich sehr dankbar.
Ist es das erste Mal, dass das Stück öffentlich vor Publikum aufgeführt wird?
Ja, der 16. Januar ist das erste Mal, dass das Stück öffentlich vor Publikum gezeigt wird.
Das Stück wird durch Beiträge von Leva Sidler und Frida Sailer ergänzt. Wie kam es dazu?
Da ich selbst die Möglichkeit bekomme, mein Stück in der Grabenhalle zu zeigen, war es mir wichtig, auch andere Künstlerinnen einzubinden und ihnen eine Plattform zu geben. Die Idee von sogenannten Support-Acts entstand relativ früh. Leva Sidler und Frida Sailer kenne ich beide persönlich und schätze ihre künstlerische Arbeit sehr. Auch Larissa Oehmes künstlerische Fähigkeiten waren schnell ein Traum. Leva Sidler ist direkt in das Stück integriert und wird mit ihren Poetry-Texten dramaturgisch Teil des Abends sein. Ihre Worte erweitern und vertiefen die Themen des Stücks auf eine sehr feine Weise. Frida Sailer wird musikalisch zum Abend beitragen. Nach den schweren und intensiven Themen des Stücks war es mir wichtig, dem Publikum einen ruhigeren, leichteren Ausklang zu ermöglichen. Einen Moment, um durchzuatmen und das Erlebte nachklingen zu lassen. Ich bin sehr dankbar für jegliche Unterstützung meines Umfeldes. Ohne die Unterstützung von Barbara Bucher, meiner Familie und Freundschaften wäre das Projekt nicht möglich gewesen.
Gibt es Pläne für weitere Aufführungen?
Aktuell ist der 16. Januar der einzige bestätigte Aufführungstermin. Je nach Resonanz und Nachfrage kann ich mir jedoch sehr gut vorstellen, das Stück in Zukunft nochmals an anderen Orten oder zu anderen Zeitpunkten zu zeigen. Persönlich bin ich sehr motiviert, dieses Stück weiterleben zu lassen.
Am Freitag, 16. Januar, feiert Die Wahrheit trägt Schminke in der Grabenhalle St.Gallen seine öffentliche Premiere. Der Eintritt ist frei, da es dem Künstler ein grosses Anliegen ist, Theater möglichst niederschwellig zugänglich zu machen; es wird eine Kollekte geben. Eine Reservation oder Tickets sind nicht erforderlich. In der Grabenhalle stehen rund 120 Plätze zur Verfügung. Das Solostück dauert ungefähr 50 Minuten bis maximal eine Stunde und wird ohne Pause gespielt.
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