Bildersturm, Machtkampf und verbannte Nonnen
Vor 500 Jahren wollte der St. Galler Rat die Nonnen von St. Katharinen zum neuen Glauben bewegen. Die Nonnen blieben standhaft.
Vor 500 Jahren wollte der St. Galler Rat die Nonnen von St. Katharinen zum neuen Glauben bewegen. Die Nonnen blieben standhaft.
Reformation Im Hintergrund dieses Vorgehens stand der Wille Vadians (eigentlich Joachim von Watt, 1483–1551), die Reformation möglichst ohne Gewalt durchzusetzen. Er war einer der bedeutendsten Universalgelehrten, Politiker und Reformatoren von St. Gallen. Als im folgenden Jahr eine Horde aufs Klösterchen St. Leonhard loszog, brach sie ihr Vorhaben ab, als Vadian persönlich auf dem Platz erschien. Der Rat bestrafte die Rädelsführer. Doch die wutentbrannte städtische Bevölkerung liess sich letztlich nicht besänftigen, und es kam 1529 zum Bildersturm auch in St. Gallen. Auf dem Brühl wurden 46 Wagenladungen verbrannt.
Von den Nonnen wurde zunächst verlangt, dass sie ihren katholischen Beichtvater durch einen protestantischen Prediger ersetzen und die Verwaltung ihres Besitzes einem Vogt übertragen. Die Nonnen waren entsetzt ob der Einmischung des Rates und weigerten sich kategorisch, ihre Gewohnheiten zu ändern. Zwei Monate später suchte eine weitere Delegation das Gespräch mit den Nonnen. Auch diesmal wollten sie nichts von den Plänen der Stadt wissen. Die Nonnen beschwerten sich im Gegenteil beim geistlichen Oberhaupt, dem Bischof von Konstanz. An der nächsten Tagsatzung intervenierten der Bischof und die Stadt Luzern zu Gunsten von St. Katharinen. 1527 stellte der Rat Christoph Schappeler an, um in der Kirche des Katharinaklosters zu predigen. Es predigten fortan der Beichtvater und Schappeler, wodurch eine Konkurrenzsituation entstand. Der Bürgermeister kontrollierte persönlich, ob die Weisung eingehalten wurde. Schliesslich gab der Beichtvater auf und der Rat befahl den Nonnen, Schappeler anzustellen und im Kloster wohnen zu lassen. Die Tagsatzung forderte den St. Galler Ratindessen mehrmals auf, sein Verhalten gegenüber dem Kloster zu rechtfertigen, doch der Rat ignorierte das Schreiben vollständig. Die Obrigkeit arbeitete weiter zielstrebig daran, das Kloster aufzuheben. Sie zwang die Nonnen, mittwochs und sonntags die Predigt anzuhören. 1528 drangen auf Befehl des Rates Männer ins Kloster ein und zerstörten Bilder und Altäre. Eine Woche später brachen sie ein zweites Mal ein und zerstörten alles Katholische, das sie vorfanden.
Die Bevormundung wurde verschärft und ein Verwalter eingestellt, der frei über das Klostervermögen verfügte. Er verkaufte diverse Besitztümer, auch grosse Bauernhöfe und lieferte der Stadt das Geld ab. So wurde die wirtschaftliche Lage des Klosters immer schlechter. Einige Nonnen vermochten den Druck nicht mehr auszuhalten und traten aus dem Kloster aus. Eine von ihnen war Katharina von Watt, eine Schwester von Vadian. Andere zogen in ein anderes Kloster. Einige fanden auf Notkersegg oder in St. Georgen in der unter dem Fürstabt katholisch gebliebenen Gemeinde Tablat eine neue Heimat. Die letzte hochbegabte Buchmeisterin Regula Keller widersetzte sich in St. Katharinen kämpferisch dem Ansinnen der Stadt. Auch mit der Gefangennahme konnte man ihren Willen nicht brechen.
1554 wurden die drei letzten Nonnen, Regula Keller, Elisabeth Scheiwiller und Katharina Täschler gezwungen, einen Vertrag zur Abtretung der Klosterliegenschaft einzugehen, der vom Abt aber nicht akzeptiert wurde. Jede der drei Frauen erhielt bescheidene tausend Gulden für die Abtretung des Klosterbesitzes. So zogen sie zu den Beginen in St. Georgen. An der Tagsatzung setzte sich Abt Diethelm Blarer von Wartensee ein für die drei Ausgewiesenen. Er verkündete, dass er ihnen ein Stück Land auf seinem Territorium schenken wolle, dass sie ihr angestammtes Leben weiterführen könnten.
Der Konflikt dauerte noch bis 1594 an. Durch Vermittlung des Abtes kam es an der Tagsatzung in Baden endlich zu einem Vergleich: Übergabe des Klosters Katharina an die Stadt für eine Summe von 24 000 Gulden. So mussten sich die letzten Nonnen, die auf den Nollenberg geflüchtet waren, auf die Suche nach einer neuen Bleibe machen und fanden diese in Wil. Katharina wurde zur Schule und zur Bibliothek umfunktioniert und erhielt deshalb den Namen «Bubenkloster».
Beigezogen für diesen Artikel wurden zur Hauptsache folgende Schriften: Claudia Sutter, «Die Nonnen von St. Katharinen gegen den St. Galler Stadtrat», in «Die Reformation in der Ostschweiz Teil 2», Neujahrsblatt 2018. Josef Osterwalder, «Vom Kloster zur Bank» in St. Katharinen – Frauenkloster, Bibliothek, Bildungsstätte – gestern und heute». Marianne und Frank Jehle, «Kleine St. Galler Reformationsgeschichte»
Von Franz Welte
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