Der dritte grosse Verlierer rund um den FCSG-Machtkampf heisst Stefan Kölliker
Stefan Kölliker wollte Präsident des FC St. Gallen werden. Nun steht er mit abgesägten Hosen da. Die Fallhöhe ist in diesem Kampf riesig.
Stefan Kölliker, ehemaliger Regierungsrat, gab sich im SRF bereits als nächster FCSG-Präsident. Nachdem Hüppi und der Verwaltungsrat sich gegen die Putschisten Patrick Thoma und Roland Gutjahr durchsetzen konnten, steht Kölliker mit abgesägten Hosen da. Bild: Archiv
Stefan Kölliker wollte Präsident des FC St. Gallen werden. Nun steht er mit abgesägten Hosen da. Die Fallhöhe ist in diesem Kampf riesig.
Bruchlandung Am Dienstag, 26. Mai, deutete noch vieles darauf hin, dass der ehemalige Regierungsrat Stefan Kölliker die Nachfolge von Matthias Hüppi als Präsident des FC St. Gallen antreten würde. In einem Interview mit SRF beantwortete Kölliker die Frage, ob er neuer FCSG-Präsident werde, mit bemerkenswerter Selbstsicherheit: «Ich habe mir das sehr sehr gut überlegt, ob ich das will. (...) Ich weiss, auf was ich mich einlasse.»
Weniger als 24 Stunden nach dem Gespräch mit dem Schweizer Fernsehen zeigte sich allerdings, dass Kölliker die Dynamik rund um den Machtkampf beim FC St. Gallen offensichtlich unterschätzt hatte. Der designierte Präsident sah sich plötzlich mit massivem Gegenwind konfrontiert. Einerseits regte sich in der grün-weissen Bewegung erheblicher Widerstand gegen seine Personalie, andererseits hatte sich Kölliker indirekt auf die Seite von Patrick Thoma und Roland Gutjahr gestellt – und damit gegen den amtierenden Präsidenten Matthias Hüppi positioniert. Wie deutlich die Fronten verliefen, wurde an der Pressekonferenz vom Mittwoch klar. Dort erklärte Hüppi: «Peter Germann, Patrick Gründler, Christoph Hammer, Benedikt Würth und ich gehen gemeinsam in die Zukunft.»
Spätestens nach diesem Satz war klar, wie prekär die Lage für Stefan Kölliker geworden war. Die Fallhöhe nach den Entwicklungen der letzten Tage ist enorm. Gegenüber dem «Blick» räumte Kölliker nach der FCSG-Pressekonferenz denn auch ein, dass ihn der Verlauf der Ereignisse getroffen habe: «Ich stehe ziemlich doof da.»
Doch wie kam es überhaupt dazu, dass Kölliker unter dem vermeintlich neuen Verwaltungsrat als Favorit für das Präsidialamt gehandelt wurde?
Die Antwort führt in die Verflechtungen der Thurgauer Immobilienbranche. Patrick Thoma, bekannter Immobilienunternehmer und Verwaltungsratspräsident der Thoma Immobilien Treuhand AG sowie Aktionär und Verwaltungsratsmitglied beim FC St. Gallen, sitzt gleichzeitig im Verwaltungsrat der Admicasa Holding AG mit Sitz in Zürich. Ebenfalls Teil dieses Verwaltungsrats ist Stefan Kölliker. Beide verfolgten gemeinsam Pläne, im Gründenmoos einen 150-Millionen-Franken-Sportpark zu realisieren. Nachdem sich jedoch Stadt und Kanton aus dem Projekt zurückgezogen hatten, wollten Thoma und Kölliker das Vorhaben dennoch weiterverfolgen – finanziert über den Immobilienfonds der Admicasa-Gruppe.
Ein Präsident Stefan Kölliker beim FC St. Gallen hätte einem solchen Projekt im Gründenmoos sicherlich nicht geschadet. Das dürfte wohl auch Thoma gedacht haben. Genau dieser vermeintliche Vorteil beim Megaprojekt ist nun allerdings Makulatur. Anstatt die Wahl als FCSG-Präsident zu feiern bleibt Kölliker nur eines: eine öffentliche Bruchlandung mit gewaltiger Fallhöhe.
Von Marino Walser
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