Der Eisenbahn-Baron von St. Gallen: Sein Traum von der Alpenbahn platzte am Gotthard
Daniel Wirth-Sand war treibende Kraft beim Ausbau der Schweizer Eisenbahninfrastruktur. Allerdings: Beim Bau der Ostalpenbahn, scheiterte er.
Daniel Wirth-Sand ist ein Wirtschaftspionier des frühen Bundesstaates, der unternehmerisches Geschick mit politischer Weitsicht zu verbinden wusste. Bild: pd
Daniel Wirth-Sand war treibende Kraft beim Ausbau der Schweizer Eisenbahninfrastruktur. Allerdings: Beim Bau der Ostalpenbahn, scheiterte er.
Wirtschaftspionier Daniel Wirth-Sand, geboren 1815, wuchs im ehemaligen St. Katharinenkloster in St. Gallen auf. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre in Livorno, obwohl er eigentlich lieber Rechtsanwalt geworden wäre. Anschliessend trat er eine Stelle als Buchhalter einer deutschen Firma in Neapel an, um dann mit seinem Freund Emil Gonzenbach für dessen Handelshaus nach Izmir in der Türkei zu gehen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz trat er 1849 als Teilhaber in die Firma Gebrüder Gonzenbach in St. Gallen ein. Steil war seine politische Karriere als Radikaler vom Gemeinderat der Stadt St. Gallen über den Kantonsrat bis zum National- und Ständerat. In späteren Jahren schloss er sich der gemässigt-liberalen Gruppe um Arnold Otto Aepli an. Arnold Otto Aepli (1816–1897) war Richter, Politiker sowie Verwaltungsrat und gilt als Vater der St. Galler Friedensverfassung von 1861.
Wirths politisches und unternehmerisches Hauptanliegen war der Ausbau der Schweizer Eisenbahn-Infrastruktur. Ab 1852 wirkte er im Verwaltungsrat der St. Gallisch-Appenzellischen Eisenbahngesellschaft, wo er sich um die oft schwierige Finanzierung der St. Galler Bahnprojekte kümmerte. 1856 übernahm er eine wichtige Rolle bei den Fusionsverhandlungen, die 1857 zur Gründung der Vereinigten Schweizerbahnen (VSB) führten. Es ergab sich indessen eine Konkurrenz zur Nordostbahn-Gesellschaft, die den «Wettlauf» an den Bodensee mit der Erschliessung von Romanshorn für sich entschied und die Fusionspläne von Wirth-Sand verwarf.
35 Jahre VSB-Generaldirektor
Von 1857 bis 1875 und erneut von 1885 bis 1901 war Wirth-Sand VSB- Verwaltungsratspräsident und von 1861 bis 1896 zudem deren Generaldirektor. Sein prioritäres Ziel galt der Ostalpenbahn, die über den Lukmanier- oder Splügenpass die Alpennordseite mit Italien verbinden sollte. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch trotz guter Ausgangslage an geopolitischen und finanziellen Hürden. 1887 bis 1890 war er Verwaltungsratspräsident der Appenzeller Strassenbahngesellschaft. Er bereitete die Verstaatlichung der VBS vor, die schliesslich 1902 in die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) überging.
Ostschweiz an die Welt anschliessen
Wie im Buch «Aufbruch zum modernen St. Gallen» Alfonso C. Hophan im Beitrag über Wirth-Sand schrieb, war er nicht nur ein Pionier, sondern galt auch als «Eisenbahn-Baron» mit autoritärer Ausrichtung, indessen verfolgte er ein klares Ziel: «Über dem damaligen, oft kleinlichen und provinziellen Parteikampf im Kanton St. Gallen und der Ostschweiz stehend, verlor er nie den Blick für die zentrale Sachfrage: den Anschluss der Ostschweiz nicht nur an das Netz des jungen Bundesstaates. Sondern an die Welt.»
Die Idee einer Ostalpenbahn, wie sie sich Wirth-Sand vorstellte, blieb bis 1990 aktuell, gesichert durch das sogenannte Ostalpenbahn-Versprechen. Auch St. Galler Politiker kämpften noch in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts für die Splügen-Bahn. 1990 beantragte der Bundesrat mit der Neat die Ausrichtung auf die Gotthard- und Lötschberg-Simplon-Achse, während die Splügen-Bahn fallengelassen wurde, was die eidgenössischen Räte billigten.
Von Franz Welte
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