Karin Jung
verlässt das Amt für Wirtschaft und Arbeit nach sieben Jahren.
Felix Keller, Geschäftsführer der Geschäftsstelle der Gewerbeverbände St.Gallen (GSGV). Michael Huwiler
Felix Keller ist Geschäftsführer der Geschäftsstelle der Gewerbeverbände St.Gallen (GSGV). In fast allen Branchen fehlt es an Personal, grundsätzlich geht es dem Gewerbe aber gut – einige Herausforderungen stehen künftig an.
Gewerbeverband Der Kantonale Gewerbeverband St.Gallen (KGV) ist der grösste Wirtschafts- und Arbeitgeberverband im Kanton, der Dachverband des Gewerbes. Der KGV ist daher der erste Ansprechpartner für alle, wenn es um KMU geht, und er setzt sich für bessere Rahmenbedingungen sowie für eine KMU-freundliche Politik ein. Doch wie bringt man die Interessen aller unterschiedlichen Branchen – vom Handwerk über Handel bis zu Dienstleistern – unter einen Hut? «Das ist gar kein Problem. Wir sind eine politische Lobbyorganisation und verfolgen die grobe politische Stossrichtung für weniger Bürokratie und mehr Steuerkraft. In Detailfragen bestehen unter den Branchen schon unterschiedliche Haltungen, aber da versteht man es, aufeinander zuzugehen», sagt Felix Keller, Geschäftsführer der Geschäftsstelle der Gewerbeverbände St.Gallen.
Aktuell gebe es daher auch keine grösseren Spannungsfelder. Ein Thema, welches immer wieder aufgetaucht sei, sind die Ladenöffnungszeiten. «Der Detailhandel hat sich dagegen ausgesprochen, ebenso das Stimmvolk – und zwar sehr deutlich. Ich bin Geschäftsführer der Gruppe Handel und man vertritt eine einheitliche Meinung mit den Mitgliedern», so Keller. Der Gewerbeverband hat 8'000 Mitglieder. Sein oberstes Organ ist die Delegiertenversammlung. Zwar könne man bei 8'000 Personen keine Mitgliederversammlung auf die Beine stellen, mitbestimmen sei dennoch möglich. «Die Berufsverbände haben eine gewisse Anzahl Stimmen an der Delegiertenversammlung, hinzu kommen die Präsidentenkonferenzen mit den angeschlossenen Verbänden. An den Präsidentenkonferenzen geht es insbesondere darum, Parolen zu Abstimmungen zu fassen und Wahlunterstützungen zu thematisieren», sagt Keller. Bei Themen wie den Ladenöffnungszeiten oder einem Gesamtarbeitsvertrag für den Detailhandel werden auch mal Mitgliederbefragungen durchgeführt. «Ebenso besteht ein Vorstand aus 13 Personen – auch sie bringen aktiv ihre Meinung in den Verband ein», meint Keller. Die Zusammenarbeit mit anderen Ostschweizer Gewerbevereinen und Wirtschaftsverbänden funktioniere zudem ebenfalls sehr gut. «Es finden regelmässige Treffen statt. Dieser Austausch zu aktuellen Themen bereichert alle – jeder Verband und Verein profitiert», sagt Keller. Ebenso trifft sich der KGV mit dem Bauernverband St.Gallen oder Banken sowie dem Schweizerischen Gewerbeverband. Gemeinsame Vorstösse seien eher eine Seltenheit, aber es sei schon vorgekommen, dass man Vorstösse aus anderen Kantonen übernehmen konnte. «Die Erfahrungswerte können so gut genutzt werden.» Aktuell sieht Keller kein Verbesserungspotenzial bei inter- und überregionaler Zusammenarbeit.
Und wie geht es dem Gewerbe in der aktuellen Wirtschaftslage? «Das ist sehr unterschiedlich – je nachdem ob es sich um die Binnen- oder Exportwirtschaft handelt. Im Kanton St.Gallen können wir aktuell aber sagen, dass viele Branchen vermelden, dass es ziemlich gut läuft», so Keller. Dennoch bestehen Herausforderungen in den diversen Branchen. So habe der gewerbliche Detailhandel mit dem Onlinehandel zu kämpfen. Im Bauhaupt- und Baunebengewerbe sei die Lage aktuell noch gut, das könne sich künftig aber ändern. «Wir sprechen dabei aber noch nicht von einer Trendumkehr», betont Keller, fügt jedoch an: «Die Exportwirtschaft muss sich den Herausforderungen mit Amerika stellen, was Einfluss auf Investitionen haben kann.» Die US-Zollpolitik verursache dabei natürlich auch Unsicherheiten beim Gewerbe. «Dennoch kann gesagt werden, dass 2025 für das Gewerbe positiv gestartet ist, gerade beim binnenortientierten Teil der Wirtschaft ist die Entwicklung stabil bis positiv», sagt Keller.
Was in allen Branchen stark beschäftigt, ist die Personalsituation. «Der Personalmangel ist praktisch in allen Branchen latent. Es ist schwierig, gute Leute zu finden. Viele haben keinen Bedarf, die Stelle zu wechseln», so Keller. Als Verband könne man da selbst nicht viel dagegen machen. «Die Berufsverbände müssen in diesem Punkt aktiv sein. Die Ausbildungsplätze müssen attraktiv sein und es müssen genügend Lehrstellen verfügbar sein. Der Nachwuchs muss selbst ausgebildet werden», meint Keller. In geburtenschwachen Jahrgängen sei es zwar etwas schwieriger, die Lehrstellen zu besetzen, die Gegebenheiten müssten aber dennoch da sein.
Blickt Keller in die Zukunft, tauchen einige Handlungsfelder und Herausforderungen auf. Der Berufsnachwuchs sei und bleibe ein Dauerthema. «Ich bin überzeugt davon, dass man die Wirtschaft auch einfach mal machen lassen muss», sagt Keller und meint damit, dass es nicht ständig zu Regulierungen oder gesetzlichen Einschränkungen kommen dürfe. «Darin sind wir Meister, aber man sollte nicht permanent versuchen, einzugreifen – das kann bürokratisch massive Kosten verursachen», betont er. Eine weitere Herausforderung dürfte die Raumplanung werden. «Wirtschaft braucht Raum, um sich zu entwickeln. Das kann nicht ausschliesslich mit Verdichtung gelöst werden. Es braucht Entwicklungsgebiete für Industrie und Gewerbe. Oftmals sind Gebiete aufgrund von Einsprachen oder weil sie noch nicht eingezont sind, nicht verfügbar», sagt Keller. Zum Thema Raum für Wirtschaft gehöre auch die Erreichbarkeit der Firmen. «Niemand möchte im Stau stehen. Abgesehen von der Stadt St.Gallen hat der Kanton dem Ausbau der Nationalstrassen zugestimmt. 2037, wenn die Röhren des Rosenbergtunnels saniert werden, wird es ohnehin herausfordernd. Es ist ein Trugschluss zu meinen, alle würden auf den ÖV umsteigen», so Keller. Das würden die Zahlen und die Entwicklung zeigen. «Es muss ein Miteinander geben, um Verkehrsprobleme zu lösen.»
Stefanie Rohner
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