Mathias Gabathuler
hat Gespräche zum Sportpark Gründenmoos wieder aufgenommen.
Politikwissenschaftsprofessor Christoph Frei schilderte, welche einschneidenden Umbrüche die Weltpolitik aktuell erfährt. tb
Mehrere hundert Personen folgten der Einladung der Bank. Politikwissenschaftsprofessor Christoph Frei schilderte, welche einschneidenden Umbrüche die Weltpolitik aktuell erfährt. Martin Lüscher beleuchtete das Feld «Künstliche Intelligenz», Alessandro Poletti verdeutlichte die Stärken des Innovationslandes Schweiz.
Olma Messen Michael Steiner, Vorsitzender der Geschäftsleitung, begrüsste die Zuhörerinnen und Zuhörer in der grossen und gut besetzten Halle 2.1 zum diesjährigen acrevis Anlageapéro. «Aktuell lässt uns vieles fassungslos zurück und die Medien berichten oft reisserisch. Es scheint, als zählten nur noch die Klickzahlen und als ginge der Blick aufs Ganze dabei verloren», sagte Steiner in seiner kurzen Einleitung. Doch die Vogel-Strauss-Taktik anzuwenden, sei keine Option und schwierige Lagen gäben oft auch den Anstoss für Neuerungen. «Beim Anlegen muss man langfristig denken und seiner Strategie treu bleiben. Dies zeigen zahlreiche Studien», führte Steiner aus. Christoph Frei, emeritierter Titularprofessor für Politikwissenschaft an der Universität St.Gallen, verwies in seinem Vortrag «Ordnung und Chaos» zur Weltpolitik ebenfalls auf die langfristige Entwicklung an der Börse, die er anhand des MSCI World illustrierte. Der globale Aktienindex ist trotz zwischenzeitlichen Rücksetzern auf lange Sicht nämlich stets angestiegen. Dies müsse man sich beim Anlegen aller Unsicherheiten zum Trotz bewusst machen.
Die aktuell grosse Unsicherheit begründete Frei mit einem Umbruch in der Weltordnung. In seinem geschichtlichen Exkurs führte der Politikwissenschaftler aus, dass der Westen in den letzten Jahrzehnten stark von den USA profitiert habe. Als Hegemon hätten die Vereinigten Staaten für Sicherheit gesorgt, aber auch den Freihandel garantiert. «Auch wenn sich die Amerikaner selbst nicht immer an die Regeln gehalten haben, so sorgten sie doch dafür, dass dies die meisten Staaten taten», erklärte Frei. Und nur dank Freihandel habe ein kleines, lange eher armes Land ohne Bodenschätze wie die Schweiz zu einem der reichsten Länder der Welt aufsteigen können. Doch inzwischen habe sich die Welt unter anderem als natürliche Folge der Globalisierung verändert. Die Konkurrenz sei stärker geworden und die Emanzipation des globalen Südens fortgeschritten. Neben dem Widerstand aus vielen Ländern, die nicht mehr unwidersprochen nach den vom Westen festgelegten Regeln handeln wollten, habe sich auch in den westlichen Gesellschaften selbst Widerstand formiert. «Es gibt viele Verlierer der Globalisierung, die ihre Jobs verloren haben. Und jetzt schlägt das Pendel in der Form von ‘my country first’ zurück» erläuterte Frei. Trump argumentiere nun, die Globalisierung habe China reich und die USA arm gemacht. Entsprechend brauche es nun eine Deglobalisierung mit Mauern und Zöllen. «Die USA werden vom Hegemonen zum Imperialisten», so Freis Fazit.
Martin Lüscher, Chefökonom der acrevis Bank, erklärte, dass bei politischen Umbrüchen immer auch die Finanzmärkte unter die Lupe genommen würden. Aktuell seien die Aktienmärkte aber beflügelt von der Künstlichen Intelligenz. So seien die Aktien von Chipherstellern, den Betreibern grosser Rechenzentren und den Entwicklern von KI-Modellen stark gestiegen. Doch während die ersten beiden riesige Gewinne schrieben, mache beispielsweise Open AI riesige Milliardenverluste. Somit stünden die Bewertungen auf einem wackligen Fundament. «Wir haben deshalb den Anteil an US- und Techaktien reduziert», hielt er zur Anlagestrategie der Bank fest. Ausserdem wies Lüscher auf die sehr hohe Verschuldung der USA hin. Entsprechend reduziere die acrevis US-Staatsanleihen und untergewichte den US-Dollar. Für den Schweizer Markt zeichnete Lüscher dagegen ein positives Bild. Der Binnenkonsum sorge für Stabilität, sie rechneten aktuell nicht mit einer Rezession und auch nicht mit Negativzinsen. «Der Schweizer Markt bietet eine grosse Zahl attraktiver Anlagen», schloss Lüscher.
Alessandro Poletti, Leiter Research & Advisory der acrevis Bank, zeigte auf, dass die Entwicklung des Schweizer SPI den Gewinnentwicklungen der Unternehmen folgt, während in den USA die Aktien ein deutlich höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweisen. Weiter führte Poletti aus, dass die Schweiz von der Weltorganisation für geistiges Eigentum wiederholt zur Innovationsleaderin erklärt wurde. Schliesslich äusserte er drei konkrete Tipps von Schweizer Aktien, welche von der acrevis zum Kauf empfohlen werden – es handelt sich dabei um die Accelleron Industries AG, den Hersteller von Abgasturboladern für Dieselgrossmotoren, der 2022 aus der Abspaltung von der ABB entstand, sowie die beiden Medizintechnik-Unternehmen Ypsomed und Medacta. Alle drei Firmen überzeugten mit Wachstum und hoher Profitabilität.
Von Tobias Baumann
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