Die Helvetia hat ihren Hauptsitz nicht mehr länger in St.Gallen.
12.07.2025 10:00
Hauptsitzverlegung ist schmerzhaft
Auswirkungen bezüglich Stellen und Steuern noch sehr unklar
Die St.Galler Regierung bedauert die Verlegung des künftigen Hauptsitzes der Versicherungsgruppe Helvetia und Baloise von St.Gallen nach Basel und bezeichnet sie als schmerzhaft für Region und Kanton, obwohl sie unternehmerische Entscheide prinzipiell nicht wertet. Dies erklärt die Regierung in Beantwortung zweier Einfacher Anfragen von SVP und FDP im Kantonsrat.
Helvetia Die Regierung beteuert, sie wolle im persönlichen Austausch mit der alten und neuen Konzernleitung noch in diesem Sommer darauf hinarbeiten, dass zentrale Geschäfts- und Dienstleistungsbereiche der heutigen Helvetia, die historisch in St.Gallen angesiedelt sind, auch weiterhin hierbleiben. Sie beschäftige hier zahlreiche Fachspezialistinnen und -spezialisten, die andernorts nicht so leicht zu finden sind. Es liege daher im eigenen Interesse von Helvetia, diese Fachkräfte weiterhin zu halten. Die Verantwortlichen haben denn auch bekräftigt, dass der Standort St.Gallen auch in der fusionierten Holding eine wichtige Rolle spielen wird. Allerdings sollten die vielen kritischen Kommentare der letzten Wochen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Helvetia-Gruppe aufgrund der früheren Übernahmen von Patria und Nationale Suisse bereits heute fast zwei Drittel ihrer Konzernfunktionen in Basel unterhält und lediglich ein Drittel am Hauptsitz in St.Gallen angesiedelt ist. Entsprechend wurden bereits in der Vergangenheit wesentliche Investitionen in Basel getätigt.
Vertrauliche Informationen
Weiter berichtet die Regierung, dass die Helvetia aus nachvollziehbaren Gründen vor dem Verlegungsentscheid nicht den Kontakt mit ihr gesucht habe. Im konkreten Fall gibt es für die Regierung aber keine Handhabe für materielle Verhandlungen. Der Vorsteher des Finanzdepartements wurde im Rahmen des Steuerrulings über die Verlagerung des Hauptsitzes nach Basel vertraulich informiert. Der Verwaltungsratspräsident von Helvetia hat den Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements kurz vor der offiziellen Bekanntgabe des Sachverhalts in Kenntnis gesetzt. Die Regierung zeigt sich überzeugt, dass die etablierte Zusammenarbeit mit der Universität St.Gallen für beide Seiten gewinnbringend genutzt wird. Steuerlich wird der Wegfall der Holdingsitze für die Stadt wie auch für den Kanton den Verlust von Steuersubstrat zur Folge haben, informiert die Regierung weiter. Doch schon bisher waren das Lebensversicherungsgeschäft und das Asset-Management hauptsächlich in Basel angesiedelt. Zudem ist noch nicht bekannt, wie die Struktur des Konzerns nach dem Zusammenschluss von Helvetia und Baloise aussehen wird, sodass sich die steuerlichen Auswirkungen nicht genau abschätzen lassen. Auch über das Ausmass des Stellenabbaus in St.Gallen kann die Regierung keine Angaben machen. Ohne erkennbaren Zusammenhang mit der Fusion hatte die Helvetia Gruppe bereits Ende 2024 im Zuge eines Effizienzpogramms einen Abbau von 500 Stellen – davon 200 bis 250 in der Schweiz – angekündigt.
Wirtschaftsperspektiven stärken
Schliesslich weist die Regierung darauf hin, dass sie sich weiterhin für günstige Rahmenbedingungen für die Wirtschaft einsetzen will. Sie erwähnt insbesondere den Switzerland Innovation Park Ost, die IT-Bildungsoffensive und die Arealentwicklung Wil West. Unerlässlich seien zur Stärkung der Wirtschaft eine aktive Bodenpolitik und eine weiter verstärkte Fokussierung der Ressourcen auf ausgewählte Projekte und Regionen. Ohne ein ausreichendes Angebot an gut verfügbaren Arbeitsflächen dürfte es in Zukunft kaum möglich sein, die Handlungsfähigkeit und Attraktivität des Kantons im Wettbewerb um wertschöpfungsintensive Arbeitsplätze weiter zu steigern.
Einfache Anfrage auch im Stadtparlament
Auch SVP-Stadtparlamentarier René Neuweiler hat sich in einem Vorstoss nach den Folgen der Verlegung des HelvetiaHauptsitzes erkundigt. Der St.Galler Stadtrat argumentiert in seiner Antwort weitgehend deckungsgleich wie die Regierung. Man bedaure den Entscheid, die Helvetia habe aber heute schon zwei Drittel ihrer Konzernfunkt