Susanne Hartmann
erntet für Ihre Aussagen zum Autobahnausbau harsche Kritik.
Symbolbild.
Die Stiftung Suchthilfe St.Gallen hat ihren Jahresbericht 2024 veröffentlicht. Im Fokus stehen die medizinisch-sozialen Hilfsstellen (MSH 1 und MSH 2). Der Bericht zeigt nicht nur Erfolge, sondern auch neue Herausforderungen.
Suchtbehandlung Die Stiftung Suchthilfe St.Gallen betreut in ihren Einrichtungen Menschen mit einer Opioidabhängigkeit. Die opioidgestützte Therapie – sei es durch Heroin oder andere Opioid-Agonisten – bildet das Rückgrat der Behandlung in beiden Einrichtungen. Sie ermöglicht vielen Betroffenen eine gesundheitliche Stabilisierung und soziale Reintegration. Auch 2024 war diese Behandlungsform ein wesentlicher Beitrag zur Schadensminderung und zur Reduktion von Konsumrisiken. Die psychosoziale Betreuung wurde weiter gestärkt: Sei es bei der Unterstützung in Wohnfragen, beim Umgang mit finanziellen Schwierigkeiten oder bei gesundheitlichen Themen – die Fachpersonen standen ihren Klient:innen eng zur Seite. Besonders deutlich traten positive Veränderungen bei gemeinsamen Aktivitäten zutage, etwa im Rahmen des beliebten Ferienlagers im Tessin, das zu einer Verbesserung der psychischen und sozialen Stabilität beitrug.
2024 war für die Hilfestellen geprägt von einem starken Zuwachs an Neuaufnahmen sowie intensiverer Zusammenarbeit mit anderen sozialen Institutionen. In der MSH 1 wurden zum Jahresende insgesamt 68 Klientinnen und Klienten betreut – exakt gleich viele wie im Vorjahr. Bemerkenswert ist jedoch, dass sich die Zahl der Neueintritte mit 11 gegenüber dem Vorjahr nahezu verdreifacht hat. Auch das durchschnittliche Alter sank erstmals auf 49 Jahre. Rund ein Fünftel der betreuten Personen war jünger als 40 Jahre. Der Grossteil der Klientinnen und Klienten stammte, wie schon in den Jahren davor, aus der Stadt St.Gallen. Die MSH 2 verzeichnete im Dezember 2024 insgesamt 110 betreute Personen – etwas weniger als im Vorjahr. Auffällig ist auch hier der wachsende Anteil an jungen Erwachsenen, für die eine engmaschige psychosoziale Begleitung zunehmend wichtiger wird. 40 neue Personen wurden in die Substitutionsbehandlung aufgenommen, was den Bedarf an spezialisierten Angeboten unterstreicht.
Bei den Neuaufnahmen in der MSH 1 fiel 2024 vermehrt auf, dass viele Betroffene zusätzlich zur Abhängigkeit auch an psychischen Erkrankungen litten. Dieses Phänomen zeigt, wie wichtig eine ganzheitliche Herangehensweise ist – nicht nur mit medizinischen, sondern auch mit sozialarbeiterischen und psychotherapeutischen Elementen. Auch in der MSH 2, wo die Substitution unter ärztlicher Aufsicht stattfindet, war die psychosoziale Betreuung ein zentrales Element. Das interdisziplinäre Team – bestehend aus medizinischem Fachpersonal und Sozialarbeitenden – leistete auch Unterstützung bei administrativen Aufgaben und setzte sich für eine stabile Tagesstruktur ein.
Die beiden Hilfsstellen pflegten 2024 einen engen Austausch mit anderen Betrieben der Stiftung Suchthilfe sowie externen Partnern wie dem Katharinenhof, der Wohngemeinschaft Arche oder dem Betrieb «Struktur und Arbeit». Diese Vernetzung war entscheidend, um auf die komplexen Lebenslagen der Betroffenen flexibel reagieren zu können. In der MSH 1 wurde zudem die Studie zur nasalen Applikation des Substituts Diaphin fortgesetzt. Rund ein Dutzend Klientinnen und Klienten beteiligte sich daran, und der fachliche Austausch mit der Stadt Winterthur trug zur Weiterentwicklung der Therapieoptionen bei.
Auch ausserhalb der stationären Behandlungssettings war die Stiftung aktiv: In den Suchtfachstellen St.Gallen und Rorschach sowie bei der FASA rückten 2024 Themen wie Kokain- und Crackkonsum, Mischkonsum und Wohnungslosigkeit in den Vordergrund. Erstmals wurde häufiger über Kokain als über Cannabis gesprochen. Gleichzeitig nimmt die Zahl verhaltensbezogener Süchte – etwa Gambling oder Gaming – zu. Die Präventionsarbeit bei Jugendlichen wurde deshalb weiter ausgebaut, etwa durch ein Pilotprojekt zur Medienkompetenz an der Goldacher Oberstufe. Mit dem neuen Projekt «Plan W» bietet die FASA seit 2024 schnelle Hilfe für Menschen, die akut von Wohnungslosigkeit bedroht sind – ein Angebot, das angesichts wachsender sozialer Probleme zunehmend gefragt ist.
Selim Jung
Lade Fotos..