29.05.2025 10:00
Kinder stark machen
Ronny Zeibig kämpft für eine Gesellschaft ohne Mobbing und Ausgrenzung
Als Selbstbehauptungs- und Resilienztrainer liegt es Ronny Zeibig am Herzen, Kinder zu begleiten, statt sie zu erziehen. Sein Ziel ist es, eine gesellschaftliche Veränderung hin zu mehr Achtsamkeit und weniger Mobbing zu bewirken.
Selbstbewusstsein Ronny Zeibig ist ein Mann mit vielen Facetten: Der 49-jährige Familienvater lebt mit seiner Frau Mandy und seinen drei Kindern Emilie, Hanna und Moritz in St.Gallen. Als ausgebildeter Zimmermann fand er später seine Berufung im Vertrieb von Fenstern und Türen. Doch seine wahre Leidenschaft liegt in der Arbeit mit Kindern, weshalb er sich entschloss, eine Ausbildung bei «Stark auch ohne Muckis» zu absolvieren. «Das Geniale an dieser Ausbildung ist die Tiefe der Inhalte, die einem vermittelt werden», erklärt Zeibig. Er erlernte dort die Prinzipien und Techniken, die Kindern helfen, sich in schwierigen sozialen Situationen zu behaupten und ihre Resilienz zu stärken. Diese Ausbildung, die seit über 15 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt wird, hat ihn geprägt. «Ich habe die Ausbildungszeit in der Community sehr genossen», betont er.
Achtsamkeit statt Mobbing
Zeibig richtet sein Angebot an Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis sechzehn Jahren. Seine Vision ist es, in den kommenden 30 Jahren eine gesellschaftliche Veränderung zu bewirken, bei der Mobbing und Ausgrenzung durch Liebe und Achtsamkeit ersetzt werden. «Ich möchte mit meiner Arbeit einen Teil zu dieser Veränderung beitragen», so Zeibig. Der Schlüssel zu diesem Wandel liegt für ihn in der Förderung des Selbstbewusstseins und der Selbstbehauptung der Kinder. «Wenn Kinder lernen, wie und warum sie fühlen, was sie fühlen und welche Bedürfnisse gestillt oder nicht gestillt sind, gewinnen sie an Selbstbewusstsein», erklärt der Coach und ergänzt: «Anders gesagt, ich muss mir meiner Selbst bewusst sein, um anderen bewusst zu machen, was ich brauche.»
Kinder brauchen einen sicheren Hafen, ist Zeibig überzeugt, weshalb er Eltern rät, ihren Kindern immer wieder Vertrauen in die eigene Kraft und Fähigkeiten zu geben. «Eine starke mentale Verfassung ermöglicht es den Kindern, mit Stress, Druck und Unsicherheiten besser umzugehen», sagt der Familienvater. Eine einfache, aber effektive Methode ist die morgendliche Übung vor dem Spiegel, bei der Eltern ihrem Kind sagen: «Du bist genau richtig, so wie du bist.» Diese einfache Bestätigung stärkt das Selbstvertrauen der Kinder. Weitere wichtige Prinzipien in Zeibigs Training umfassen die Förderung der Selbstwirksamkeit und der Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen. «Kinder sollten Erfahrungen machen dürfen, auch wenn sie manchmal scheitern», meint er. Auch die bedingungslose Liebe der Eltern spielt eine zentrale Rolle: «Kinder müssen wissen, dass sie so geliebt werden, wie sie sind.» Dabei sei es wichtig, den Kindern die Möglichkeit zu geben, selbstständig zu handeln und zu entscheiden, ohne dass die Eltern alle Steine aus dem Weg räumen.
Strategien gegen Mobbing
Für Kinder, die mit Mobbing oder anderen belastenden Situationen konfrontiert sind, ist es entscheidend, sich an eine vertrauenswürdige Bezugsperson zu wenden. Zeibig betont die Bedeutung von Prävention: «Ein Training bei 'Mutig und Stark' kann hier von grossem Nutzen sein.» Er lehrt den Kindern Techniken wie das «Schutzschild», das sie vor Beleidigungen und Provokationen schützt, oder wie sie in konfliktreichen Situationen standhaft bleiben können. Der St.Galler sieht die körperliche Bewegung als Schlüssel zur Resilienz: «Wer körperlich beweglich ist, ist auch im Geist beweglich.» Bewegung fördert nicht nur die physische Gesundheit, sondern auch die geistige Flexibilität und Widerstandsfähigkeit. Das Setzen und Durchsetzen von persönlichen Grenzen ermögliche es nicht nur Kindern, ihre eigenen Werte und Bedürfnisse zu wahren. «Dann kann ich auch mal Nein sagen, oder aus einem Konflikt herausgehen, weil er mir nicht guttut», erklärt Zeibig. Dabei helfe es den Kindern, den Unterschied zwischen Angst und Unsicherheit zu kennen. Während Ersteres ein starkes Empfinden bei drohender Gefahr ist, das die Kinder ernst nehmen sollten, lässt sich Letzteres überwinden, indem Eltern ihre Kinder unterstützen und gemeinsam überlegen, wie das Kind mehr Sicherheit gewinnen kann.
Langfristige Auswirkungen
Zeibigs Arbeit zielt darauf ab, Kindern «Superhelden-Kräfte» zu verleihen. «Wir entwickeln positive Glaubenssätze und schaffen die Basis für ein selbstbewusstes und glückliches Leben», erklärt er. Für ihn ist die Vorstellung einer Gesellschaft, in der mehr Menschen diese Superhelden-Kräfte besitzen, ein sehr schöner Gedanke. Ein weiterer wichtiger Aspekt seiner Arbeit ist die Förderung der Kommunikationsfähigkeiten der Kinder. «Es ist wichtig, dass Kinder lernen, ihre Bedürfnisse und Gefühle klar und respektvoll zu kommunizieren», sagt Zeibig. Dazu gehört auch die Fähigkeit zuzuhören und Empathie zu zeigen. Mit seiner Arbeit legt Zeibig den Grundstein für eine neue Generation, die durch Selbstbewusstsein, Resilienz und Achtsamkeit geprägt ist. Seine Vision einer Gesellschaft, die frei von Mobbing und Ausgrenzung ist, rückt mit jedem Training, das er gibt, ein Stück näher. In der letzten Woche der Sommerferien findet im Haus Ole der Kurs «Das Abenteuer Schule beginnt» statt. Hier lernen Kinder spielerisch, sich selbstbewusst und sicher im Schulalltag zu bewegen.
Anmeldungen und Infos unter www.mutigundstark.ch
Von Benjamin Schmid