Claudia Wetter
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Zwischen sterbenden Fichten und familiärem Auseinanderdriften erzählt die St.Galler Autorin Julia Sutter eine Geschichte über Verlust und das Erwachsenwerden. Ihr Debütroman «Und das wäre erst der Anfang» begleitet eine junge Frau durch die Trauer um ihre Mutter. Anfang März erscheint das Buch im Handel, am 25. Februar findet in der Hauptpost St.Gallen die Buchpremiere statt.
Literatur Die 27-jährige Krystina zählt tote Fichten im Wald – eine Aufgabe, die zur Metapher für ihr eigenes Leben wird. Gemeinsam mit ihrer Chefin erstellt sie Statistiken, welche die Klimakrise und die Spätfolgen von Monokulturen sichtbar machen. Gleichzeitig muss sie einen persönlichen Verlust verarbeiten: Vor Kurzem ist ihre Mutter gestorben. Krystina klammert sich verzweifelt an die Vergangenheit und versucht, die Familie und ihre drei Schwestern zusammenzuhalten. Doch alle scheinen sich immer weiter von ihr wegzubewegen. Lisa flüchtet in die nächste Schwangerschaft, Agnes zieht ans andere Ende der Welt, und Zischge verschwindet in ihrem Labor. In dieser Situation durchkämmt die junge Frau Wälder, zählt sterbende Fichten und kehrt zurück ins Haus ihrer Kindheit. Dort wird sie wieder zum Kind, weil sich damals alles noch so leicht angefühlt hat, weil das Gefühl, einen Hang hinunterzurennen, im Erwachsenenalter verloren geht. Doch die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen.
«In meinem Roman geht es ums Erwachsen werden. Darum, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Es geht um die Verarbeitung von Verlust und darum, welche Auswirkungen Verlust auf eine Familie haben kann», erklärt Sutter. In ihrem feinfühligen Debüt schafft sie ein atmosphärisch dichtes Porträt einer jungen Frau, die lernen muss, dass Verlust nicht nur Endpunkt, sondern auch Anfang sein kann. Sie erzählt die Geschichte einer Person, die akzeptieren muss, dass das Leben im Privaten wie im Globalen nur eine Richtung kennt: vorwärts. «Ich konnte viele Gefühle und Gedanken zu Themen, die mich auch privat sehr beschäftigen, niederschreiben. Das hat mir dabei geholfen, meine Gedanken zu sortieren und mit diesen Themen umzugehen. Ich habe zwar nicht das Gefühl oder den Anspruch, dass ich damit gesellschaftlich etwas bewirke, aber es ist schön, sich Gehör zu verschaffen und Themen, die mir wichtig sind, anzusprechen», sagt die Autorin. Trotz der schweren Thematiken verzichtet die Autorin bewusst auf eindeutige Botschaften. Dies sei auch nicht die Aufgabe der Literatur, meint Sutter. «Ich glaube viel eher sollte man Dinge in Frage stellen. Das Schöne am literarischen Schreiben ist, dass ich niemandem eine Lösung präsentieren muss. Ich kann auch Widersprüche aufbauen und diese dann so stehen lassen», erklärt sie.
Der Weg zum fertigen Buch war lang. Erste Textpassagen des Romans entstanden bereits 2013 im Rahmen von Sutters Abschlussarbeit am Schweizerischen Literaturinstitut. Danach legte sie das Projekt für einige Jahre beiseite und schrieb nicht mehr an der Idee weiter. Erst 2019 fand sie unerwartet zur Geschichte zurück und verpasste ihr einen völlig neuen Blickwinkel. «Es ist immer noch recht unwirklich, dass das Buch nun bald erscheint. Der gesamte Prozess und besonders auch die Verlagssuche waren mit sehr viel Selbstzweifel verbunden. Die Freude und Dankbarkeit die ich nun, da das Buch fertig ist, verspüre, sind dafür umso grösser, weil mir auch bewusst ist, wie viel Glück man braucht, um so ein Projekt realisieren zu können», so Sutter.
Die Premierenveranstaltung findet am 25. Februar um 19.30 Uhr in der Hauptpost St.Gallen statt. Dabei wird Sutter in einer moderierten Lesung aus ihrem Debütroman vortragen, im Anschluss gibt es einen Apéro. Am 29. März folgt eine weitere Lesung in der Bibliothek in der Hauptpost um 13 Uhr im Rahmen des Wortlaut Festivals in St.Gallen. Zudem findet am 6. Mai eine Lesung im Bücherladen Appenzell statt.
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