Waaghaus wagt: Wenn Miles Davis auf Manuel de Falla trifft
Klassik trifft Jazz, Flamenco auf Tango: Vom 17. bis 24. August wird das Waaghaus zum Festivalort für musikalische Grenzgänge.
Die Musikerin Elena Neff Zhunke initiierte das Festival «Waaghaus wagt.» Bild: pd
Klassik trifft Jazz, Flamenco auf Tango: Vom 17. bis 24. August wird das Waaghaus zum Festivalort für musikalische Grenzgänge.
Festival Im vergangenen Jahr rief die Musikerin Elena Neff Zhunke vom Verein «Sinfonietta Sankt Gallen» das Festival «Waaghaus wagt» ins Leben. Nach dem grossen Erfolg hat sie sich für eine Fortsetzung in diesem Jahr entschieden. Wer der Festivalleiterin zuhört, spürt schnell ihre Begeisterung für diesen Anlass. Neff Zhunke spricht förmlich in Klangströmen und ein Thema führt zum nächsten: Klassik trifft auf Jazz, Spanien auf St. Gallen, Kinder auf Oper, Paris auf Berlin. Und immer wieder taucht dieses eine Haus auf: das Waaghaus am Bohl. «Das kann doch nicht sein, dass das einfach leer steht», sagt die Geigerin, die selbst im Sinfonieorchester St. Gallen spielt, drei Kinder hat und mit dem Jazzmusiker und Trompeter Michael Neff verheiratet ist. Für sie ist das historische Gebäude mehr als eine markante Adresse mitten in der Stadt. Es ist ein Ort, der entdeckt werden will. Mitten im Zentrum, mitten im Leben – und eigentlich bestens geeignet als Veranstaltungsort. Genau daraus ist «Waaghaus wagt» entstanden. Unter dem Motto «Panta rhei» – alles fliesst – verbinden sich diesmal Musik, Tanz, Theater und Performance. Rund 25 Veranstaltungen stehen auf dem Programm. Dabei geht es weniger um die Trennung einzelner Sparten als um deren Begegnung.
Besonders wichtig ist Zhunke die Eröffnung am Montag, 17. August. Vorbild dazu ist der «Jazz-Monday» in New York. Junge Preisträgerinnen und Preisträger stehen dann auf der Bühne in St. Gallen und eröffnen das Festival. Das «Alas»-Klavierquartett spielt um 18 Uhr «Klangströme von Wien nach Paris». Danach folgt die junge Jazzband «Die Zusammenkunft» aus Berlin mit «Blau sehen». Das Programm ist bewusst offen angelegt. Jazz begegnet Folk, Tango trifft Flamenco, Klassik verbindet sich mit Jazz, Musik mit Tanz und Improvisation. «Panta rhei» ist deshalb mehr als ein Motto. Es beschreibt die Idee, dass Musik nicht in Schubladen bleiben muss, sondern sich immer wieder weiterbewegt und neue musikalische Formen sucht. Damit passt Davis ideal zum Festivalgedanken.
Ein Schwerpunkt der diesjährigen Ausgabe ist Spanien. Anlass ist der 150. Geburtstag des spanischen Komponisten Manuel de Falla. Seine Musik steht beispielhaft für die Verbindung von klassischer Komposition mit spanischer Volksmusik, Rhythmus und Flamenco. De Falla wird im Festival jedoch nicht einfach als historische Grösse präsentiert. Seine Musik wird in neue Zusammenhänge gestellt und mit anderen musikalischen Sprachen verbunden. Flamenco, Tango und klassische Musik werden zu Teilen eines grösseren spanisch geprägten Klangraums. Besonders sinnlich wird es bei «Ritual del Fuego» am Freitag. Hier steht die Festivalleiterin mit «Sinfonietta Sankt Gallen» selbst auf der Bühne. Dabei schaffen eine Flamenco-Tänzerin und Kerzenlicht eine spezielle Verbindung von Musik, Bewegung und Atmosphäre. Am Montag, 24. August, dem ukrainischen Unabhängigkeitstag, schliesst sich dann ein weiterer musikalischer Bogen: «Sketches of Spain» verbindet de Falla mit Chick Corea. Dazu kommt Ravels «Boléro» in einer Interpretation, die sich am Klang und Stil von Miles Davis orientiert. Spanien wird damit nicht nur musikalisch, sondern auch über unterschiedliche Epochen und Genres hinweg betrachtet.
Parallel dazu erinnert «Waaghaus wagt» an den 100. Geburtstag von Miles Davis. Der amerikanische Trompeter steht wie kaum ein anderer für musikalische Veränderung. Er wechselte Stile, entwickelte seinen Klang ständig weiter und suchte immer wieder neue musikalische Formen. Damit passt Davis ideal zum Festivalgedanken.
International wird das Festival ebenfalls. Am 19. August um 18 Uhr ist mit Pauline Chenais, Klavier, und Marc Girard Garcia, Cello, ein Ehepaar aus Paris zu Gast, das mit seinen verschiedenen Formationen bereits in der Philharmonie de Paris gespielt und internationale Klassik Awards gewonnen hat. Gleichzeitig öffnet sich das Festival für Stimmen und Geschichten aus der Ukraine. Und auch die St. Galler Sängerin Caecilia van de Laak steht bei «Waaghaus wagt» auf der Bühne.
Dass diese Begegnungen im Waaghaus stattfinden, ist kein nebensächliches Detail. Der Saal bietet nur rund 100 Plätze. Künstler und Publikum sitzen dadurch ungewöhnlich nahe beieinander. «Viele Besucherinnen und Besucher haben die Atmosphäre im vergangenen Jahr mit einem Wohnzimmer verglichen», erzählt Zhunke. Dazu trägt auch die Gestaltung des Raumes bei: Stoffe, Licht, akustische Elemente und eine Lounge verwandeln den historischen Saal während der Festivalwoche in einen warmen, beinahe privaten Ort. Es gibt Wein, kleine Speisen und eine Lounge. «Amiata» Bio-Weine gehören ebenso zum Angebot wie «Angelati-Glace» zur Abkühlung. Eine Weindegustation ergänzt das Programm und sowohl bei der Eröffnung als auch beim Finale ist das «Kafi Franz» dabei.
Dass ein solches Festival mitten in der Stadt überhaupt möglich ist, hängt auch von vielen lokalen Unterstützerinnen und Unterstützern ab. Besonders dankbar ist Zhunke dem Kanton St. Gallen und der Stadt St. Gallen, die das Festival in diesem Jahr unterstützen.
Weitere Informationen: www.waaghaus-wagt.ch
Tickets zu gewinnen
Für das Festival «Waaghaus wagt» vom17. bis 24. August verlost die se Zeitung zwei Festival-Lover Pässe für sämtliche Konzerte und Workshops. Senden Sie eine
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gewinn@st-galler-nachrichten.ch
Von Astrid Nakhostin
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