Mathias Gabathuler
hat Gespräche zum Sportpark Gründenmoos wieder aufgenommen.
Die beiden Jungunternehmer wollen künstliche Intelligenz direkt anwendbar in den Arbeitsalltag von KMU integrieren. Sie orten grosses Vereinfachungspotenzial im Kundenservice, der internen Automatisation und im Softwarebereich.
Künstliche Intelligenz «Wenn Mitarbeitende bei wiederkehrenden Routineaufgaben entlastet werden, haben sie mehr Zeit für Sinnvolleres», erklärt Laurin Casutt. Weiter könnten die Anfragen von Kundinnen und Kunden während 24 Stunden an sieben Tagen die Woche beantwortet werden, wenn diese Aufgabe von einem KI-Agenten selbstständig erledigt werde. Der 23-Jährige hat sich nach einer KV-Lehre bei der Bank mit einer Online-Marketing-Agentur selbstständig gemacht und dabei wiederholt für Kundinnen und Kunden KI-Automatisationen implementiert. «Diese Lösungen sind jedes Mal sehr gut angekommen, so dass wir das Potenzial sahen, um eine Firma zu gründen, die sich dieser Aufgabe annimmt», erzählt Casutt. Vor rund sechs Monaten wagte Casutt gemeinsam mit Julian Ott diesen Schritt. Ott ist ebenfalls 23-jährig, hat am Gymnasium Friedberg die Matura gemacht und studiert aktuell Wirtschaftsinformatik an der Ostschweizer Fachhochschule. «KI ist im Studium ein grosses Thema. In der Firma kann ich das Gelernte konkret umsetzen», sagt Ott.
Grosses Anwendungspotenzial für künstliche Intelligenz sehen die Firmengründer im Kundenservice – beispielsweise bei der Beantwortung von Kundenanfragen oder im Bestellwesen. «Die KI kann komplett ins System integriert werden. So hat sie Zugriff auf alle Daten und kennt beispielsweise auch die Kundenbeziehung. Entsprechend generiert sie personalisierte Antworten», erklärt Casutt. Auch in der Kundenpflege könne sie helfen. «Die KI kann eine Erinnerung schicken, wenn beispielsweise ein Wartungsvertrag ausläuft», führt er aus. Ausserdem würden Kundinnen und Kunden dank KI unmittelbar Antworten auf Anfragen erhalten. «Viele Kunden wollen heute rund um die Uhr Auskunft», stellt Casutt fest. Weiter helfe die KI dabei, Fehler zu vermeiden, da ihr im Gegensatz zum Menschen nichts untergeht – egal wie viele Anfragen in kurzer Zeit kommen. Viele Anwendungsmöglichkeiten sehen die Jungunternehmer auch in der internen Automatisation.
Als dritten grossen Anwendungsbereich haben die Jungunternehmer die Servicesparte der Software ausgemacht. Analyse- und Statistiktools könnten wichtige Datengrundlagen liefern. Die Softwareentwicklung habe dank KI eine enorme Effizienzsteigerung erfahren. «KI kann inzwischen personalisierte Programme auf einem sehr guten Niveau erstellen.»
⋌Fortsetzung auf Seite 3
«Bereits mit wenigen Prompts (Red.: Anweisung an eine KI) wird viel erreicht», stellt Casutt fest. Sie würden für die Kundschaft auch selbst individualisierte Programme erstellen, aber wenn dank Open Source Quellen bereits Lösungen bestünden, müsse man das Rad nicht neu erfinden. Während sie selbst mit Begeisterung von KI erzählen, spüren die Start-up-Gründer in Gesprächen mit Unternehmern immer wieder eine gewisse Skepsis. «Viele wissen nicht, wo sie starten sollen, sind unsicher, was KI wirklich kann, und befürchten, dass KI-Anwendungen teuer oder kompliziert sind», sagt Casutt.
Und wo sollen Unternehmerinnen und Unternehmer denn anfangen mit dem Einsatz von KI? Julian Ott erklärt: «In einer Potenzialanalyse soll erhoben werden, welche Aufgaben viel Zeit und Geld benötigen. Dann lassen sich Lösungen für ein konkretes Problem identifizieren.» Auch benötigten Unternehmer selbst kein besonderes IT-Wissen. «Die Funktionsweise von Betriebssystemen in einer Firma muss auch nicht verstanden werden. Wichtig ist, dass die Mitarbeitenden das Betriebssystem richtig anwenden können. Das ist bei der KI genau gleich», führt Ott aus. Sie achteten denn auch immer auf eine möglichst einfache Umsetzung. Und was sagen die Geschäftspartner zum Einwand der hohen Kosten? «Wir berechnen die Preise auf der Basis der Anfrage meist individuell. Das Ziel ist, dass sich die Ausgaben dank den Einsparungen bereits nach zwei bis drei Monaten auszahlen.» Casutt ergänzt, die erstmalige Implementierung könne eine gewisse Investition erfordern, aber die Folgekosten seien gering.
Und wie sehen die beiden Jungunternehmer die Zukunft der KI? «Die KI hat sich in den letzten drei bis vier Jahren dramatisch verbessert. KI-Agenten können prinzipiell auf unbegrenzt viele Tools zugreifen, sofern diese einen API-Zugang (Red.: Programmierschnittstelle) zulassen», erzählt Ott. Wohin die Entwicklung gehe, sei eine interessante Frage: «Persönlich gehe ich davon aus, dass wir in zwei bis drei Jahren selbstlernende KI haben, die nicht nur auf Anweisung handeln.» Sein Geschäftspartner erklärt dazu, dass gewisse KI-Programme bereits heute beispielsweise stundenlang eigenständig an einer Programmierung arbeiten könnten.
Mehr Infos: www.alpinity.ai
Von Tobias Baumann
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