Ballon-König Stefan Zeberli schwebt erneut zum Schweizer Meistertitel
Stefan Zeberli aus Gossau und sein Team feierten vor kurzem ihren 9. Schweizermeistertitel im Ballonfahren. Der Pilot erzählt über seine Leidenschaft.
Stefan Zeberli aus Gossau und sein Team feierten vor kurzem ihren 9. Schweizermeistertitel im Ballonfahren. Der Pilot erzählt über seine Leidenschaft.
Stefan Zeberli: Eigentlich haben wir alles erreicht, was man erreichen kann. Trotzdem üben wir diesen Sport weiterhin aus. Der Titel war dank der grossen Unterstützung meiner Geschwister und der ganzen Familie möglich. Ballonfahren ist ein Sport, der sehr viel Freude bereitet.
Wie muss man sich als Laie den Ablauf einer Ballon-Meisterschaft vorstellen?
Die Schweizer Meisterschaft ist relativ kurz. Wir sind am Dienstag angereist und haben uns vorbereitet. Am Mittwochmorgen haben wir eine kurze Trainingsfahrt durchgeführt. Später am Nachmittag folgte das Einchecken und am Abend die Eröffnungsfeier sowie ein erstes Briefing. Geplant waren Fahrten vom Donnerstagmorgen bis Sonntagmorgen. Jeweils eine Fahrt fand am frühen Morgen und eine gegen Abend statt.
Gleichzeitig mit den Schweizer Meisterschaften findet auch der international besetzte Swiss Cup statt. Teilgenommen haben 26 Teams aus neun Nationen. Welche Aufgaben müssen die Fahrerinnen und Fahrer erfüllen?
Das Reglement umfasst derzeit 27 verschiedene Aufgaben. Bei einer Fahrt müssen wir manchmal bis zu sieben Aufgaben lösen. Dabei spielt die Taktik eine zentrale Rolle.
Müssen zum Beispiel gewisse Strecken zurückgelegt werden?
Nein, da wir durch das Erwärmen oder Abkühlen der Warmluft mit dem Ballon nur die Höhe ändern können, gibt es keine Streckenvorgaben oder ähnliches. Zumal sich die Windrichtungen mit den verschiedenen Höhen immer wieder ändern. Während der Meisterschaft müssen wir gewisse Ziele anfahren oder auch eine Aufgabe lösen. Ein Beispiel dafür ist innerhalb einer Dreiecksfläche oder in einem bestimmten Luftraum möglichst viel Strecke zurückzulegen, ohne diese Regionen zu verlassen.
Was sind die grossen Herausforderungen bei den Aufgaben?
Entscheidend sin die Taktik über mehrere Aufgaben. Manchmal lassen sich diese in unterschiedlicher Reihenfolge lösen. Also muss man genau überlegen, ob der Wind zunimmt, schwächer wird oder später nach rechts oder links dreht.
Von den sieben geplanten Fahrten wurden nur fünf durchgeführt. Was waren die Gründe?
Am Ende mussten wir froh sein, dass wir überhaupt fünf Fahrten machen konnten. Eine davon wurde wegen des einsetzenden Regens sogar noch abgebrochen. Die Wetterprognosen für das Wettkampfwochenende waren wirklich schlecht. Immerhin war das Wetter rückblickend doch besser als erwartet.
Sind Sie jeweils alleine im Ballon unterwegs oder sind andere Mitglieder des Air Ballonteam Stefan Zeberli in der Luft dabei?
Rund 50 Prozent aller Pilotinnen und Piloten fahren alleine. Ich selber bin mit meinem Bruder Simon, der mich sehr unterstützt, unterwegs. Ich fahre den Ballon und er ist für die Kommunikation zum Boden-Team und andere wichtige Aufgaben zuständig. In meinen Augen ist es ein erheblicher Vorteil, wenn man zu zweit ist. So sieht man zum Beispiel die anderen Ballons in der Nähe viel schneller. Ballonfahren ist ein Teamsport. In der Luft sind wir enorm auf die Unterstützung unserer Bodenmannschaft angewiesen. Bei einer Meisterschaft umfasst mein Team bis zu sechs Personen.
Was braucht es alles, damit ein Ballon überhaupt starten kann?
Ein Ballon ist ein Luftfahrzeug und daher auch relativ kompliziert in der Handhabung. Trotzdem ist das Prinzip sehr simpel. Wir verbrennen Propangas und heizen die Luft im Inneren der Ballonhülle auf. Durch die Wärme dehnt sich diese aus und verliert an Gewicht. Und schon hebt der Ballon vom Boden ab.
Sie bieten auch Ballonfahrten für Gäste an. Wie viele Fahrten führen Sie pro Jahr durch?
Über einen langen Zeitraum hinweg habe ich mindestens 200 Fahrten pro Jahr absolviert. Mittlerweile sind es maximal 150. Ich bin nun vermehrt im Büro tätig und organisiere die Fahrten. Die Kommunikation ist anspruchsvoll und weil wir wetterabhängig sind, braucht es sehr viel Dynamik. Ich habe vier Piloten und meine Schwester Lea, die Gästefahrten durchführen. Lea war übrigens auch als Teilnehmerin bei den Schweizer Meisterschaften und dem Swiss Cup dabei. Sie hat die Wettkämpfe als beste Frau auf dem sehr guten sechsten Rang abgeschlossen. ⋌Markus Fässler
Stefan Zeberli wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern in Gossau. Ballonfahren war für ihn bereits ein Kindheitstraum. «Ich wollte schon mit sieben Jahren Ballonpilot werden. Ich war begeistert von diesen bunten Kugeln am Himmel. Die Ballone sind sehr stark vom Wetter und vom Wind geprägt. Das hat mich unheimlich fasziniert», sagt Zeberli. Mittlerweile fährt er seit 29 Jahren mit dem Ballon. Zu Beginn hobbymässig, später machte er seine Leidenschaft zum Beruf. Seit dem Jahr 2012 bietet er mit seinem Familienunternehmen Air Ballonteam Stefan Zeberli GmbH mit Sitz in Andwil SG professionelle Passagier-Ballonfahrten an.
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