Christof Chapuis. sro
01.05.2025 04:11
Fachkräftemangel und weitere Herausforderungen
Der Gewerbeverband hielt die Delegiertenversammlung in Grub ab
Letzte Woche hielt der Gewerbeverband Appenzell Ausserrhoden seine Delegiertenversammlung ab. Nebst den Traktanden Jahresrechnung, Budget und Jahresbericht stand ein Wechsel im Vorstand an.
Gewerbeverband Tina Grosjean scheidet aus dem Vorstand, für ihre Nachfolge wurde Christina Lutz neu in den Vorstand gewählt. «Tina Grosjean hat eine Stelle beim Kanton, genauer bei der Wirtschaftsförderung, angenommen. Mit dem Amt für Wirtschaft arbeiten wir eng zusammen, daher wäre es zu einem Interessenkonflikt gekommen und sie trat deshalb zurück», erläutert Christoph Chapuis, Präsident des Gewerbeverbands. Einerseits sei das für den Gewerbeverband ein Verlust, andererseits habe man mit Christina Lutz eine gute Nachfolgerin gefunden. «Sie wird ebenfalls wieder ein Bindeglied zu den KMU-Frauen sein und kann die entstandene Lücke gut füllen», ist Chapuis sicher.
Unklare Auswirkungen
Mit den Traktanden Jahresrechnung, Budget und Jahresbericht verfuhr man zügig. «Es gab keine grossen Diskussionspunkte.» Bei der Jahresrechnung habe man einen leichten Verlust eingefahren – dies da man etwas mehr Geld für die STEP-Abstimmung im November 2024 ausgegeben habe. «Das Budget musste aber nicht angepasst werden – für solche Fälle stellt der Verband jeweils Geld zurück», meint der Präsident. An der DV konnten nebst den Mitgliedern auch Gäste aus der Politik, Wirtschaft und Gewerbeverbänden begrüsst werden. Ständeratspräsident Andrea Caroni, Regierungsrat Dölf Biasotto und Patrick Dümmler vom Schweizerischen Gewerbeverband richteten Worte an die Delegierten. Unter anderem wurde das Sparprogramm des Bundes angesprochen, ebenso die finanzielle Lage des Kantons. «Noch ist zu unklar, wie beide Sparprogramme genau aussehen, beziehungsweise wo gespart wird. Der Gewerbeverband wird zwar nicht vom Kanton finanziert, aber wir überlegen dennoch, welche Auswirkungen das Entlastungsprogramm allenfalls auf uns hat», sagt Chapuis. Dabei spricht er von Veranstaltungen wie die Plattform Berufsbildung oder die Prämierung von Lehrbetrieben. «Nebst Man-Power könnte die Finanzierung dieser Anlässe Thema werden.»
Gute Zusammenarbeit
In seinem Jahresbericht blickte Chapuis zurück. 2024 sei ein Jahr mit vielen Unsicherheiten für das Gewerbe gewesen, die aufgrund der von US-Präsident Donald Trump verhängten US-Zölle auf Schweizer Exporte in diesem Frühjahr noch verstärkt wurden. «Bislang spürt das Ausserrhoder Gewerbe davon noch nichts. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass das eine Frage der Zeit sein wird. Wir sind Zulieferer der Industriefirmen und es wird sich bemerkbar machen», sagt Chapuis. Aktuell gehe es dem Ausserrhoder Gewerbe aber gut. «Wir beschäftigen uns seit einer Weile mit dem Abbau bürokratischer Prozesse und sind da in regem Austausch mit dem Kanton und versuchen zu eruieren, in welchen Bereichen wir beidseits ansetzen können, um effizienter zu werden.» Man werde vom Kanton diesbezüglich sehr ernst genommen. «Grundsätzlich ist die Zusammenarbeit mit dem Kanton sehr gut. Es ist ein Austausch auf Augenhöhe, was wir sehr schätzen», sagt der Gewerbeverbandspräsident.
Verkehr wird zum Problem
Eine Herausforderung, die den Gewerbeverband mittel- und langfristig beschäftigen wird, sei die Ablehnung des Ausbaus der Nationalstrassen (STEP). «Ein unmittelbares Problem stellt das noch nicht dar, wird aber sicher zum Problem werden. In St.Gallen diskutiert man, wie man mit der Sanierung der Tunnel umgehen kann, damit die Stadt nicht im Verkehr versinkt. Das würde auch unser Gewerbe betreffen», sagt Chapuis. Ein weiteres Thema, das das Gewerbe noch immer beschäftigt, ist der Fachkräftemangel. «Je nach Branche ist dieser weniger oder mehr ausgeprägt. Aber die demografische Entwicklung mit vielen anstehenden Pensionierungen in den kommenden Jahren beschäftigt das Gewerbe», sagt Chapuis. Betriebe könnten zwar gute Arbeitsbedingungen schaffen, es gehe aber vor allem darum, alle vorhandenen Ressourcen von potenziellen Arbeitnehmenden zu nutzen.
«Da spielen einige Faktoren eine Rolle – unter anderem, ob genügend Kita-Plätze vorhanden sind. Auch eine Flexibilisierung von Arbeitszeiten ist in diesem Zusammenhang zu diskutieren», meint Chapuis. Zudem müsse man sich bewusst machen, dass Zuwanderung auf den Fachkräftemangel einen positiven Einfluss habe. «Das sind öfters gut ausgebildete Leute, die einwandern.» Es stehen also einige Herausforderungen an, wenn auch noch nicht alle gleich dringlich sind. «Es gilt, sich nicht auf dem jetzigen Stand der Dinge auszuruhen.»
Stefanie Rohner