Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Die Stadtpolizei hat erneut eine Zunahme der Kriminalität festgestellt.
Die Gesamtkriminalität im Kanton St.Gallen lag im letzten Jahr mit 32’824 Straftaten gut sechs Prozent höher als im Vorjahr, in der Stadt St.Gallen jedoch noch deutlich höher. Die Stadt ist – kantonal gesehen – also weiterhin eine wachsende Kriminalitätshochburg. Pro tausend Einwohner sind hier 81 Gesetzesverstösse zu verzeichnen, während es gesamtkantonal 49 sind.
Kriminalitätsstatistik Die hohen Deliktszahlen in der Stadt St.Gallen hängen auch mit der Polizeipräsenz durch die Stadt- und Kantonspolizei zusammen. Die Korps unterstützen sich gegenseitig und bringen gemeinsam besonders viele Straftaten zur Anzeige, was sich positiv auf das Sicherheitsgefühl auswirkt. Besonders zahlreich sind in der Stadt St.Gallen auch die Betäubungsmitteldelikte, da die Kantonshauptstadt ein grosser Umschlagsplatz ist. Die Zahl dieser Fälle stieg von 780 schlagartig auf 1'136 an, die Gesamtzahl der Straftaten nach Strafgesetzbuch von 6'295 auf 6'411.
Bei den Straftatbeständen fällt in St.Gallen – oft entgegen dem kantonalen Trend – die Zunahme bei Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (plus 51 Prozent), bei Veruntreuung (plus 66 Prozent), bei Urkundenfälschung (plus 61 Prozent), bei Hausfriedensbruch (plus 40 Prozent), bei Einbruchdiebstahl (plus 28 Prozent) sowie bei sexuellen Handlungen mit/vor Kindern (plus 71 Prozent) auf. Allerdings ist die Kriminalitätsrate im Raum Bodensee/Rheintal ebenso hoch wie in St.Gallen, was auf die Grenzverhältnisse zurückzuführen ist.
Bei den einzelnen Deliktarten ist die Entwicklung gesamtkantonal sehr unterschiedlich. Kurz gesagt war 2025 kein Jahr steigender Schwerkriminalität, sondern ein Jahr zunehmender Einbruchs- und Einschleichekriminalität sowie steigender Betäubungsmitteldelikte. Zugenommen haben überdies die Vergewaltigungen (plus 38 Prozent) und die sexuellen Handlungen mit Kindern (plus 30 Prozent). Markant um 19 Prozent sind auch die Betäubungsmitteldelikte gestiegen, was auf den grossen Kokainmarkt zurückzuführen ist.
Ganz leicht abgenommen (minus zwei Prozent) haben gesamtkantonal die schweren Gewaltdelikte (dazu zählen unter anderem Tötungsdelikte und schwere Körperverletzungen). Erfreulicherweise ist hier die Aufklärungsquote mit 90 Prozent hoch geblieben, gegenüber 55 Prozent über alle Straffälle hinweg. Weiter abgenommen haben auch die Raubüberfälle sowie die Cyberdelikte (minus 12 Prozent). Bei den Cyberdelikten ist der Grund darin zu suchen, dass 2024 eine grosse Serie von Bestellbetrügen durch die St. Galler Kantonspolizei aufgeklärt wurde. Das soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor täglich neun Anzeigen wegen Cyberbetrugs eingehen. Seit 2020 stieg die Zahl von insgesamt 2'403 Fällen auf mittlerweile 3'938 Cyberdelikte.
Nach Stefan Kühne, Leiter Kriminalpolizei, bleibt es wichtig, zugunsten des Sicherheitsgefühls der breiten Bevölkerung schwere Gewalttaten aufzuklären. Dies setze ein enormes personelles Engagement sowie eine moderne technische Ausstattung der IT-Infrastruktur voraus. Dies sei durch die bevorstehenden Sparmassnahmen gefährdet. Weiter weist Kühne auf die Globalisierung hin, die eine zusätzliche Herausforderung darstellt: «Polizeistrukturen sind kantonal und national organisiert, moderne Kriminalität jedoch transnational. Daneben erhöht die technische Komplexität den Ermittlungsaufwand erheblich.» Diese Entwicklungen zeigen, dass Anpassungen in Struktur, Prioritätensetzung und Zusammenarbeit erforderlich sein werden. Nur durch ein koordiniertes, systematisches Vorgehen mit klaren Prioritäten könne es gelingen, den veränderten Kriminalitätsformen zu begegnen und die Kriminalität langfristig effizient zu reduzieren.
Franz Welte
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