Claudia Wetter
St.Galler Gerichte wollen erhöhte Geschäftslast mithilfe von IT bewältigen.
St.Gallen verfügt über drei Freimaurer-Logen und die Gesellschaft tritt auch immer wieder an die Öffentlichkeit, so erneut ab 20. September mit einer Buchausstellung aufgrund des 50-jährigen Bestehens der Stiftung «Bibliotheca Masonica August Belz» in der «Vadiana».
Reto Wambach, was ist aus Ihrer Sicht das Positive, das die Freimaurer bieten können?
Man kann auf Augenhöhe diskutieren. Überall, wo man hinkommt, wird man offen empfangen, und dies in den Logen mit vollem Vertrauen in weiten Teilen der Welt. Toll ist auch die Vielfalt der Menschen, der man begegnet. Diverse Ethnien, Religionen und Altersgruppen treffen zusammen. Als Verbindendes bestehen die ethische Ausrichtung und die hochgehaltene Humanität, eine gute Plattform für interessante Gespräche.
In St.Gallen bestehen die drei Logen «Concordia» (gegründet 1861), «Humanitas in Libertate» (gegründet 1960) und «Bauplan» (gegründet 1990). Was ist der Grund, dass die Freimaurer hier so gut Fuss fassen konnten?
St.Gallen hat dank der Stickereihochblüte und der allgemeinen Industrialisierung Verbindungen zu vielen Ländern geknüpft. Die Geschäftsleute sind viel gereist und sind dabei auch der Freimaurerei begegnet. So entstand ein guter Nährboden für die Freimaurerei, auf dem wir heute noch basieren.
Wie gross ist die Mitgliederzahl der drei Logen heute?
Der Bestand beläuft sich auf rund 180. Mein Ziel ist es, 200 zu erreichen.
Wenden die drei Logen unterschiedliche Rituale an?
Es besteht für die Logen in einem gewissen Rahmen eine Ritualfreiheit. Die gepflegten Rituale sind sich aber sehr ähnlich. Unter den drei St.Galler Logen ist bloss eine Nuancierung festzustellen. Das Ritual der Loge «Concordia» ist etwas nüchterner als dasjenige von «Humanitas in Libertate», das spiritueller ausgerichtet ist. Der «Bauplan» pflegt ebenfalls ein traditionelles Ritual.
Nicht wenige St.Galler Persönlichkeiten waren Freimaurer. Ist die Mitgliedschaft von Prominenten eine St.Galler Erscheinung?
Es ist in der Tat eindrücklich, wie viele prominente St.Galler, die auch wichtige öffentliche Aufgaben übernahmen, im 19. Jahrhundert Freimaurer waren. In anderen Regionen zeigt sich weitgehend das gleiche Bild.
Wie sieht es heute aus?
Jene, die gerne in der Öffentlichkeit stehen, suchen heute weniger den Anschluss bei uns als in den Serviceclubs. Noch immer sind unter uns Freimaurern aber nicht wenige Persönlichkeiten zu finden, die berufliche Spitzenfunktionen innehaben und hohe amtliche Funktionen ausüben oder ausgeübt haben. Wir stehen aber allen sozialen Schichten offen.
Viele Organisationen und Vereine haben Mühe, neue Mitglieder zu finden. Wie sieht es bei Ihnen aus?
Erfreulicherweise können wir immer wieder neue Mitglieder aus einem grösseren Kreis von Interessenten aufnehmen. Tendenziell sind sie eher jünger als früher, was ebenfalls eine positive Entwicklung bedeutet. Doch wir sind bei der Mitgliederzahl noch nicht dort, wo wir sein wollen, weshalb wir auch die Öffentlichkeitsarbeit als wichtig erachten.
In der Tat haben die St.Galler Logen diesbezüglich einiges getan. Sind weitere Öffnungen auch in digitaler Form vorgesehen?
Wir pflegen die Internetauftritte bewusst und sie sind dank einem professionellen Webmaster aktuell gehalten – wie jene der schweizerischen Gross-Loge «Alpina». Die auswärtigen Logen sind unterschiedlich weit, weil nicht überall Fachpersonen zur Verfügung stehen. Diskutiert wird gegenwärtig, wie weit Social Media-Auftritte sinnvoll sind.
Die St.Galler Logen haben viele soziale Einrichtungen ermöglicht. Sind sie auch heute noch vor Ort gemeinnützig tätig?
Wir sind immer noch gemeinnützig tätig, gezielt dort, wo das soziale Netz Löcher aufweist. Viele soziale Aufgaben sind seit Beginn unseres Wirkens in St.Gallen von den staatlichen Institutionen wahrgenommen worden und bedürfen nicht mehr unserer Unterstützung. Viele unserer Mitglieder wirken in ihrer Freizeit im Sinn der freimaurerischen Ausrichtung gemeinnützig, beispielsweise in der Begleitung von Betagten und Behinderten.
In St.Gallen befindet sich auch die grösste Freimaurerbibliothek der Schweiz, die «Bibliotheca Masonica August Belz» mit 20'000 Titeln. Weshalb ist sie der Kantonsbibliothek «Vadiana» zur Verwaltung übergeben worden?
Die Zusammenarbeit unserer Stiftung, in die die Bibliothek vor 50 Jahren eingebracht wurde, mit der «Vadiana» ist ausgezeichnet. Selbst könnten wir die Bibliothek nicht so professionell pflegen. Die meisten Bücher stehen allen Interessenten zur Verfügung. Einzelne Werke mit Ausführungen zu unseren Ritualen werden nur an Mitglieder ausgeliehen. Mit der kommenden Ausstellung in der «Vadiana» aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Stiftung wird die Bibliothek noch bekannter gemacht. Dies ist ein weiterer Schritt in der Öffentlichkeitsarbeit der drei St.Galler Logen. Mein Wunsch wäre, dass ein ausgewählter kleiner Teil der Bibliothek in einem Gestell in der Freihandbibliothek, heute im Hauptpostgebäude, präsentiert und zugänglich gemacht würde, um ihre Existenz noch bekannter zu machen. Offensichtlich fehlt aber aktuell der Platz dazu.
Das Logenheim wurde zusammen mit der Restaurierung der «Gaststuben zum Schlössli» an der Zeughausstrasse 17 1969 errichtet. Sind die Räumlichkeiten, insbesondere der Tempel im Dachstock, noch immer zweckmässig?
Wir haben laufend ins Gebäude investiert, auch ins Restaurant und in den technischen Bereich, sodass kein Renovationsstau besteht. Die Liegenschaft ist in einem sehr guten Zustand. Eine grosse Investition stellte die kürzlich durchgeführte Renovation der Fassade dar. Sie erstrahlt nun wieder in altem Glanz und ist ein «Bijou» am Rande des Klosterbezirks. Der «Tempel» bedarf dank bester Konzeption 1969 keiner Veränderung.
In jahrzehntelanger fleissiger Sammeltätigkeit trug August Belz (1907 bis 1971) aus Goldach eine umfassende Bibliothek freimaurerischer Literatur zusammen, die er testamentarisch seiner Loge «Humanitas in Libertate» in St.Gallen übergab. Sie bildete den Grundstock für die Stiftung «Bibliotheca Masonica August Belz». Die Bibliothek wird laufend erweitert. Als Spezialbestand ist sie in der Kantonsbibliothek «Vadiana» untergebracht und weitgehend öffentlich zugänglich. Sie gehört zu den bedeutendsten freimaurerischen Bibliotheken Europas. Die Jubiläumsausstellung ab 20. September in der Kantonsbibliothek «Vadiana» an der Notkerstrasse 22 in St.Gallen stellt die Bibliothek und ihren Gründer vor und zeigt Besonderheiten und Raritäten aus 50 Jahre Sammeln für das masonische Buch. Die Vernissage ist öffentlich und findet am 19. September um 18.30 Uhr statt.
Interview: Franz Welte
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