30.12.2023 10:00
Konglomerat von Baustilen
Kirche St.Mangen hat ihren Ursprung im Jahre 898 und wurde vor 125 Jahren gründlich renoviert
Vor 1125 Jahren entstand die Kirche St.Mangen, die bezogen auf die noch bestehenden Grundmauern als das älteste Gebäude der Stadt bezeichnet wird. Sie erfuhr aber immer wieder grundlegende Neuerungen. Gegründet wurde sie durch Abt Salomon, der auch Bischof von St.Gallen war, zu Ehren des St.Galler Mönchs Magnus (gestorben um 750).
Kirchengeschichte Im Wesentlichen stammt die Kirche, die anstelle der Klause Wiborada errichtet wurde, aus romanischer Zeit. Doch haben alle jüngeren Perioden ihre Spuren hinterlassen. So besteht der gegenwärtige Bau aus einem Konglomerat aus romanischer (zwei Drittel des aufgehenden Mauerwerks), gotischer (Dachstuhl und Turm), barocker (Fenster) und klassizistischer (Vorhalle) Bauweise, wie die frühere Archäologin Irmgard Grüninger im Buch «Die Kirche St.Mangen in St.Gallen» festhielt.
Neuerungen waren wegen des Stadtbrandes von 1418 erforderlich. Der Turm wurde 1505/08 von Wolfgang Vögeli errichtet, der auch für viele andere Bauten in St.Gallen zur damaligen Zeit die architektonische Verantwortung trug. Die Reformation von 1528 bereitete der Heiligkeit ein Ende. Die St.Mangen-Kirche wurde zur zweiten evangelischen Stadtkirche. Die leere Kapelle der Heiligen diente vorerst den Büchern aus dem Nachlass von Vadian. Das Erdbeben von 1774 verursachte grosse Schäden, die stark beschädigte Vadiansbibliothek wurde abgebrochen. Eine tiefgreifende Renovation erfolgte 1839/42 unter der Leitung von Felix Wilhelm Kubly. Anstelle der Vorhalle wurde das Schiff verlängert und mit dem noch bestehenden klassizistischen Eingang versehen.
Missglückte Renovation korrigiert
1898, anlässlich der Jahrtausendfeier von St.Mangen, also vor 125 Jahren, wurde die Kirche einer weitreichenden Renovation unterzogen. Weitere Renovationen erfolgten 1913, 1920, 1926 und 1946, als Ausgrabungen die Existenz einer Vorgängerkirche in Kreuzform belegten. Gemäss dem damaligen eidgenössischen Experten Albert Knoepfli war die Renovation von 1946 mit zu vielen Kompromissen behaftet und muss dementsprechend als missglückt betrachtet werden. Bei der Restaurierung von 1979 bis 1982 wurde versucht, den historischen Bauteilen wieder besser gerecht zu werden. In den folgenden Jahren wurden immer wieder Nachbesserungen unter denkmalpflegerischen Vorgaben vorgenommen.
Die Kirche nimmt bis heute in der Stadt eine besondere Stellung ein. Ausser dem Gottesdienst finden hier immer wieder Trauungen und Abdankungsfeiern sowie feierliche Veranstaltungen aller Art statt. Über viele Jahre diente sie auch den Christkatholiken als Gotteshaus, bis sie die Christuskirche am Rosenberg einweihen konnten.
Im Blick auf den 1100. Jahrestag der Erschlagung der Märtyrerin Wiborada 2026 in einer Klause ist die Kirche seit einigen Jahren verstärkt ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Dazu beigetragen hat wesentlich die Errichtung einer provisorischen Klause, die abwechslungsweise von Personen bewohnt wird, die im Sinne von Wiborada die Abgeschiedenheit zum Meditieren schätzen. Die alemannische Adelige wurde als erste Frau 1047 heiliggesprochen.
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