Susanne Hartmann
erntet für Ihre Aussagen zum Autobahnausbau harsche Kritik.
Symbolbild.
Bei den CO2-Ausstössen liegt der Kanton St.Gallen mehr als 15 Prozent hinter dem Zielpfad zurück, besonders beim Verkehr besteht Nachholbedarf. Aber auch die Gebäude emittieren weiterhin zu viele Treibhausgase. Nach 2030 muss der Kanton einen steileren Absenkpfad verfolgen, um den nationalen Vorgaben zu entsprechen. Ähnlich ist die Situation in der Stadt St.Gallen
Energiekonzept Die econcept ag, die das Energiekonzept überprüft hat, empfiehlt, die Anstrengungen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen zu verstärken. Fossile Heizungen sollen verboten werden, der Verkehr soll verstärkt reduziert und dekarbonisiert werden. In der Wirtschaft ist die Prozesswärme auf erneuerbare Quellen umzustellen. Bei einem linearen Absenkpfad hätte der Energieverbrauch pro Person im Jahr 2023 rund 28 Prozent unter dem Wert von 2‘000 liegen müssen. Tatsächlich liegt die Reduktion im Kanton bei etwa 24 Prozent. Der durchschnittliche Energieverbrauch pro Person liegt damit über dem vom Bund vorgesehenen Reduktionspfad. Nach der econcept ag muss auch zur Erreichung der Energieverbrauchsreduktion pro Person der Hebel vor allem beim Verkehr angesetzt werden. Der fossile Energieverbrauch muss sinken und die Effizienz muss steigen. Besonders wirksam sind Massnahmen, die den motorisierten Verkehr vermeiden oder auf energieeffizientere Verkehrsmittel verlagern.
Die nationalen Ziele beim Gesamtenergieverbrauch verlangen gemäss Energiegesetz bis 2035 eine Reduktion von 13 Prozent gegenüber dem Jahr 2000. Bei einem linearen Absenkpfad ergibt sich daraus für 2030 ein Zwischenziel von etwa elf Prozent. Im Vergleich dazu bleibt das St.Galler Ziel also leicht hinter den nationalen Vorgaben zurück. Als Handlungsschwerpunkte nennt die econcept ag den Austausch von ineffizienten Elektroheizungen und gezielte Effizienzmassnahmen in der Beleuchtung, bei industriellen Maschinen und Motoren sowie in Rechenzentren. Im Bereich des Ausbaus neuer Energien ist das Ziel bei den Photovoltaikanlagen nicht verfehlt worden. Allerdings ist jetzt bekannt geworden, dass das Solar-Grossprojekt am Walensee wegen Einsprachen nicht weiterverfolgt wird, was den Kanton im Solar-Planungsbereich zurückwirft. Dieser Verzicht zeigt auch, dass auch Solar-Grossprojekte wegen Umwelt-Bedenken schwierig umzusetzen sind. Ganz stark ist das Ziel bei den Windkraftanlagen verfehlt worden. Aktuell sind keine Windanlagen in Betrieb und die geplanten Projekte erleben massive Opposition. Den Ausbau der Windkraft von 80 GWh erreicht der Kanton voraussichtlich bis 2030 nicht. Der kantonal angepeilte Ausbau reicht gesamthaft nicht aus, um die Ziele des Bundes zu erreichen.
Die Regierung will mit zusätzlichen und verstärkten Massnahmen reagieren – unter anderem zur Reduktion der grauen Energie im Bauwesen und einem neuen Ausbauziel bei fden erneuerbaren Energien. Konkret sollen auch für kleinere und mittlere Unternehmen die Einführung eines Ostwind-Jobabo-Angebotes geprüft werden. Zudem gilt es, die Fördermassnahmen für das betriebliche Mobilitätsmanagement weiterzuentwickeln, zum Beispiel durch den Ausbau von Ladeinfrastrukturen für E-Bikes. Weiteren Handlungsbedarf erkennt die Regierung im Bauwesen. Mit der neuen Massnahme «Treibhausgasemissionen im Bauwesen senken» will der Kanton aufzeigen, wie graue Energie bei der Weiterentwicklung von Gebäuden eingespart werden kann. Insbesondere der Erhalt von Bestandsbauten sowie der Einsatz von emissionsarmen Baumaterialien helfen, den Absenkpfad einzuhalten.
Das neue eidgenössische Stromgesetz von 2023 enthält höhere Ziele für den Zubau von erneuerbaren Energien und überträgt den Kantonen neue Aufgaben. In der Folge erhöht der Kanton nun auch sein eigenes Zubauziel für Strom aus Photovoltaikanlagen von derzeit 350 GWh auf 1'000 GWh im Jahr 2030. Die Regierung möchte schliesslich weiterhin gezielte Anreize wie Schulungen und Kurse für Planende und Private schaffen, um den Umstieg auf erneuerbare Wärmesysteme weiter zu fördern. Er unterstützt unter anderem den Ersatz grosser fossiler und elektrischer Heizungen mit höheren Beiträgen als bisher.
Auch die Stadt St.Gallen liegt in den aktuellen Zielsetzungen noch hinter dem Zeitplan. Der Stadtrat ist willens, neben der Elektrifizierung des Busbetriebs mit einem forcierten Fernwärme-Einsatz die Ziele des Energiekonzepts 2050 doch noch zu erreichen. Damit kann die Reduktion des Verbrauchs von fossilen Brennstoffen massiv reduziert werden. Die laufende Kampagne «Gemeinsam wirkt – St.Gallen wird klimaneutral» soll die Umsetzung der beschlossenen Massnahmen fördern. Das Hauptproblem der Stadt ist, dass die Emissionen aus dem Verkehr auf hohem Niveau stagnieren.
Der St.Galler Stadtrat betont bezüglich der Massnahmen auf Gemeindeebene im Bericht zum Postulat «Energiekonzept 2050 – Investives Geld zugunsten CO2-Einsparung» der FDP-Fraktion, nur mit einem breiten Massnahmenmix könne es der Stadt gelingen, die in der Gemeindeordnung verankerte Klimaneutralität zu erreichen. Es genüge nicht, sich lediglich auf Massnahmen mit niedrigen Vermeidungskosten zu konzentrieren. Die Herausforderung bestehe nicht darin, die kostengünstigsten Massnahmen umzusetzen, sondern die Gesamtheit der Emissionen zu den geringstmöglichen Kosten zu vermeiden. Dennoch ist der Stadtrat bereit, bei Investitionsvorlagen von über fünf Millionen und bei neu jährlich wiederkehrenden Ausgaben von über 500‘000 Franken, welche eine CO2-Reduktion zum Hauptziel haben, die CO2-Vermeidungskosten auszuweisen.
Franz Welte
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